…und für den Kundenservice drücken Sie die 3.

Scheiße, ist das kalt!
Nee, also wirklich jetzt – von heute auf morgen einfach so rapide…das geht gar nicht! Ich meine, es ist doch gerade mal Anfang Oktober, da könnte man doch eigentlich davon ausgehen, daß…und überhaupt war der ganze Sommer ja eigentlich total für den Arsch!
Ja, Gespräche über’s Wetter dominieren Deutschlands Kantinen, Stammtische und Wursttresen derzeit ohne jeden Zweifel mehr als jedes andere Thema – und sei es auch von noch so schwerer weltpolitischer Bedeutsamkeit.
Tja, der Herbst ist eben wirklich ein richtiges Arschloch, mit Verlaub. Aber das mit Abstand Allerschlimmste an unserer misslichen Witterungslage sind bei weitem nicht die nassen Socken, die kalten Finger und die kratzenden langen Unterhosen – nein: das Allerschlimmste ist, daß es noch nicht mal irgendwo so eine dämliche Hotline gibt, bei der man sich beschweren kann!
Überlegen Sie doch nur mal: wieviel Schmach, wieviel unnötig verschossene Energie könnte man dem bundesdeutschen Durchschnittsbürger nur nehmen, gäbe man ihm die Möglichkeit, zum Ortstarif rund um die Uhr loswerden zu können, wie furchtbar ungerecht doch alles ist. Schließlich ist es wohl die deutscheste unter den deutschen Tugenden, immer wieder auf sein Recht verweisen zu müssen.
Wie sagt man so schön: ‘Negative Stimmen sind immer lauter als die positiven.’
Doch damit nicht genug – denn so manches Schweinchen Schlau hat mittlerweile begriffen, daß es sogar durchaus erträglich sein kann, wenn man mal mit dem Rüsselchen ans Scheunengatter stößt und seinem Unmut freien Lauf lässt. Kauf ich mir zum Beispiel eine Flasche Haarshampoo, die mir statt des angepriesenen Haarvolumens einer Tina Turner lediglich unansehnlichen kreisrunden Haarausfall beschert, so schreib ich einfach einen bitterbösen Vierzeiler an den Kundenservice und habe ruck-zuck zwei Tage später ein dickes Entschuldigungspaket der kompletten Pflegeserie im Briefkasten. Super, oder? Ferrero würde mir unaufgefordert niemals eine Palette Überraschungseier schicken, würde ich nur mal schreiben, wie irre toll ich die neuen Happy Hippos finde – da muß man eben erst einen abgetrennten Kinderfinger in der Schokolade finden oder eins der selbigen muß an einem der kleinen Plastikteile ersticken.
So funktioniert das eben heutzutage – einfach mal schreien, schon kriegste alles, was du willst.
Komisch eigentlich – hat man doch den meisten von uns als Kind das komplette Gegenteil beigebracht: ‘Wer an der Kasse schreit, kriegt erst recht nix.’ Irgendwann im Laufe unserer individuell-persönlichen Evolution muß sich dieses Wissen wohl einfach umgekehrt haben.
Nun – genauer betrachtet ist es ja an und für sich eine sehr lobenswerte Eigenschaft, ab und an mal den Mund aufzumachen, wenn einem was nicht passt. Es erschließt sich mir allerdings bis heute nicht, wieso wir das einfach nicht schaffen, unsere Beschwerden mal an den richtigen Stellen anzubringen: “Nein, liebes Privatfernsehen – ich möchte keine weitere Castingshow mehr sehen, die Scheiße macht mich aggressiv.” Oder warum auch nicht mal: “Nein, liebe Frau Merkel – ich möchte keine Verlängerung der Laufzeit für Atomkraftwerke in meinem Land, das macht mir irgendwie Angst.”
Es ist und bleibt ein Mysterium – aber eigentlich ja auch wieder nicht. Denn solange mir Frau Merkel keine Gratisproben Haarshampoo schickt, wieso sollte ich mir dann die Mühe machen, mich zu beschweren?!

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