Interview Marlen Mueller - Fotografin

Interview Marlen Mueller - Fotografin

Coverpic by Alina Simmelbauer

Hallo Marlen, du machst sehr intensive und gefühlvolle Bilder. Wie bist du eigentlich zur Fotografie gekommen?

Mit etwa 12 Jahren habe ich meine erste Kamera in den Händen gehalten und von da an eigentlich immer fotografiert. Ich habe mich nie dazu bewusst entschieden, vielleicht Fotografin zu werden. Mich haben schon immer ganz viele unterschiedliche Sachen interessiert. Ich habe mich in meiner frühen Jugend in einigen künstlerischen Ausdrucksmitteln ausprobiert, sei es Musik, Theater oder Film. Das Einzige was immer ganz einfach von der Hand ging war die Fotografie, als sei es etwas ganz natürliches. Ich hatte schon immer Freude daran, die Menschen in meiner Umwelt zu fotografieren, sei es meine Familie, meine Freunde oder Leute auf der Straße. Während meiner Unizeit in Weimar habe ich viele Projekte im Bereich Kunst und Design gemacht, die Fotografiekurse hatten mich nie sonderlich interessiert. Erst am Ende meines Studiums, als ich nach Berlin gezogen bin und ich erste Jobanfragen bekam, war ich mir sicher auch von der Fotografie leben zu wollen.

Manhattan

Wie schaffst du es soviel Tiefe und Gefühl in deine Bilder zu bekommen? Gibt es da eine Anleitung?

Hmm, lustigerweise werde ich das sehr oft gefragt, ob man das lernen kann oder ob ich Tipps hätte für ein gefühlvolles Bild. Ich folge ja selber keiner Anleitung, weil es die auch nicht gibt. Die Art wie ich fotografiere, habe ich mir über die Jahre wahrscheinlich unbewusst angeeignet. Das hat natürlich viel damit zu tun in was für einer Umwelt man groß wird, was einen beeinflusst und was man für ein ästhetisches Verständnis hat. Die Fotos dich ich mache, haben natürlich immer etwas auch mit mir persönlich zu tun und meiner Stimmungsverfassung. Eine gewisse Tiefe und Emotionalität bekommt man in ein Bild indem man das Wesentliche herausarbeitet. Ich mag es nicht, Leuten Anweisungen zu geben, wie sie sich vor der Kamera  zu präsentieren haben. Ich will den Menschen für mein Foto nicht verändern müssen. Man braucht einfach ein gewisses Gespür für diesen „einen“ Moment, den man zufällig oder auch nicht zufällig geschenkt bekommt. In diesem Zusammengang wird immer viel von guter Intuition gesprochen. Und das trifft bei mir auf jeden Fall  zu, da ich glaube ein sehr empathischer Mensch zu sein. Zurückhaltung ist vielleicht auch ein wichtiger Indikator.

Vienna

Wie würdest du deinen fotografischen Ansatz beschreiben?

Nichts zu beschönigen oder zu idealisieren. Dinge so zu belassen, wie sie sind. Mir ist es auch wichtig, für meine Bilder nichts inszenieren oder stellen zu müssen. Ich fotografiere fast ausschließlich Menschen oder Dinge so, wie sie mir auch tatsächlich begegnen. Zudem arbeite ich fast ausschließlich mit Tageslicht.

France

Perspektivwechsel: Was sind deine Lieblingsmotive?

Ich mag die Natur sehr gern. Nichts kann mich mehr beeindrucken als der stille Blick auf das Meer. Ich mag aber auch Dinge fotografieren, die vielleicht nutzlos und vergessen erscheinen oder einem beiläufig begegnen. Ansonsten sind auch Portraits von meinen Freunden ein immer wiederkehrendes Motiv.

Jacob & Tobias

An was arbeitest du eigentlich gerade?

Momentan arbeite ich an diversen Dingen gleichzeitig. Ein paar Auftragsarbeiten und viele freie Projekte. Gerade sortiere ich meine Fotos von meiner letzten Reise durch Frankreich. Die Bilder sind schon zum Teil auf meiner Website zu sehen, einen ausführlichen Reisebericht gibt es dann bald auf ignant.de zu lesen. Ansonsten bin ich gerade dabei Projekte zu planen, für die man sich ein bisschen mehr Zeit nehmen kann. Gerade was die Bilderauswahl betrifft, ist es oft gut ein Projekt mal ein paar Wochen oder Monate wegzulegen. Oftmals ist man noch viel zu sehr emotional involviert, dass einem der gesunde Abstand fehlt.

Backstage MBFW Berlin

Ich sehe dich oft mit einer kleinen µ ,welche Bewandtnis hat es mit dieser kleinen Kompaktkamera auf sich?

Meine µ 1 von Olympus habe ich als Kind geschenkt bekommen und seitdem fotografiere ich mit ihr. Egal wo ich bin, ich habe sie immer dabei. Sie ist für mich die perfekte Kamera für 35mm. Zudem war sie ein großes Thema in meiner Abschlussarbeit von der Uni. Damals habe ich ein ganzes Buch nur mit Fotografien von der µ gemacht, quasi eine Aufarbeitung meines persönlichen Fotoarchivs. Das Buch trägt den Titel "µ-Visuelle Notizen“. Vielleicht werde ich irgendwann einmal eine Fortsetzung dieser Arbeit veröffentlichen.

Joshua Tree

Wenn ich mir dein Death Valley in mein Wohnzimmer wünsche, was muss ich dafür tun?

Hehe, wahrscheinlich meinst du das Foto, was ich in der Wüste von Joshua Tree in Californien gemacht habe. Dieses Bild kann man gern auf Anfrage als Print kaufen. Natürlich auch noch einige andere Motive. Am besten eine Email an mich: post@marlenmueller.com

Anna F.

Welche Pläne hast du in der nächsten Zeit? Gibt es eine Ausstellung oder ein neues Projekt was du noch in diesem Jahr in Angriff nehmen möchtest?

Es gibt ein größeres Projekt von mir, wo ich Menschen über einen längeren Zeitraum portraitiere, dass wird bis zur Veröffentlichung noch eine Weile dauern. Des Weiteren kann man noch bis Ende November im Bauhaus Archiv in Berlin die Ausstellung: Poesie & Industrie besuchen, dort hängt auch ein Bild von mir. Ansonsten versuche ich nicht allzu langfristige Pläne zu schmieden, ich lasse auch manchmal ganz gern die Dinge auf mich zu kommen. In diesem Jahr werden sicherlich noch die ein oder andere Reisen anstehen, denn das ist was ich am liebsten mache und wovon die meisten meiner Bilder erzählen: vom Unterwegs sein.

Jacob & Maria

Merci, Katrin

Hier geht‘s zu Marlens Portfolio. Auf Anfragen können ihre Bilder auch in unterschiedlichen Printgrößen erworben werden.

Kids: Grüne Drachenhöhle

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