Interview  mit den Gründerinnen von tausendkind: „Nur schöne Sachen zu verkaufen, reicht nicht aus.“

Interview mit den Gründerinnen von tausendkind: „Nur schöne Sachen zu verkaufen, reicht nicht aus.“

Das E-Commerce-Unternehmen tausendkind feiert in diesem Jahr sein sechsjähriges Bestehen. Der Onlineshop für Kind und Kegel wurde von zwei cleveren Businessfrauen gegründet, die während der letzten Jahre selbst insgesamt fünf mal Mama wurden. Wie man das stemmt, wollten wir wissen und haben Anike von Gagern und Kathrin Weiß zu einem Interview gebeten.

MC: Ihr habt tausendkind vor 6 Jahren gegründet,  also im Jahr 2010. Damals sind die Geburtenraten in Deutschland gerade drastisch gesunken. Wie kommt man dann auf die Idee ein E-Commerce für Kinder- und Babymode zu gründen?

Kathrin: Die Idee ist bereits 2008 entstanden, also schon 2 Jahre vor der Gründung von tausendkind. Sie entstammte dem Wunsch, tolle Produkte für Kinder zu finden. Damals haben viele Freundinnen Nachwuchs bekommen, und ich habe immer wieder nach tollen Geburtsgeschenken gesucht und keine gefunden. Ich wusste aber, dass es sie gibt, denn all‘ die anderen haben immer tolle Sachen verschenkt. Auf Nachfrage hin habe ich dann eine Liste mit Shop-Urls bekommen – auf die ich über eine Google-Suche nicht gekommen bin.. Da habe ich dann die eigentliche Marktlücke gesehen. Man müsste sie alle zusammenbringen, kleine Labels und wie auch Mainstream-Marken, um eine Marktlücke zu bedienen.

Danach ist erstmal lange nichts passiert. Die Idee schlummerte aber weiterhin in meinem Hinterkopf. Ungefähr ein Jahr vor der Gründung überlegte ich dann, ob sie immer noch funktionieren würde, und war der Meinung: ja! Also beschloss ich, das Projekt weiter voranzutreiben, und legte los.  Zu dem Zeitpunkt hatte ich große Lust, etwas zu gründen, einfach etwas Neues zu starten. Im meinem Umfeld wurde damals sehr viel gegründet, auch die Zalando-Gründung habe ich hautnah miterlebt.

Anike:  Um noch einmal darauf zurückzukommen, du hast ja nach der Marktsituationgefragt: Die Geburtenraten stabilisieren sich auf niedrigem Niveau, gleichzeitig steigen aber die Ausgaben pro Kind, und das bedeutet, dass der gesamte Markt wächst. Dazu kommt, dass der stationäre Handel von Jahr zu Jahr abnimmt und der Onlinehandel wächst. Deshalb war uns schnell klar, dass das ein sehr interessanter Markt werden könnte. Zum damaligen Zeitpunkt war der Markt auch noch nicht so überbevölkert, wie es im Damen- und Herrenbereich der Fall war.

MC: Was gab es denn damals in Deutschland und wie wolltet ihr euch ausrichten?

Kathrin: Ich habe damals überlegt, nur schöne Sachen zu verkaufen reicht nicht aus, man muss den Massenmarkt bedienen, sonst bekommt man nicht die nötige Relevanz und ist über Google nicht auffindbar. So entstand die Idee, eine Kombination aus großen, bereits bekannten Marken und kleinen feinen besonderen Produkten über tausendkind anbieten zu wollen. Inzwischen bedient tausendkind verschiedene Marken- und Preissegmente und bietet eine breites Angebot an Kategorien – insgesamt führen wir über 40tausend Produkte. 


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MC: Hattet ihr bereits Erfahrung als Team?

Anike: Wirhaben beide fast zeitgleich für eine Unternehmensberatung gearbeitet. In dieser Zeit haben wir uns angefreundet, haben aber nie zusammen gearbeitet. Trotzdem wusste ich schon relativ früh über Kathrins Idee Bescheid. Wir haben uns seit 2008 immer mal wieder ausgetauscht. Im Mai 2010 passierte dann das, was letztlich auch zu unserer Partnerschaft führte: Wir hatten einen langen Tag im Recruitingmit neuen Unternehmensberatern hinter uns und saßen dann in einem Café zusammen. Ich fragte Kathrin, wie es ihrer Idee denn so ginge. Sie erzählte ein bisschen davon, wie es voran ging. Daraufhin fragte ich sie, ob sie noch einen Partner suche. Als sie ja sagte,

hatte ich die wahrscheinlich spontanste Reaktion meines Lebens und habe gesagt: Wie wäre es mit mir?

MC: Habt ihr dann sofort eure alten Jobs gekündigt?

A: Nein. (Lacht) Wir haben uns dann erstmal mit schockgeweiteten Augen angesehen.

Am Wochenende mussten wir die Idee erst mal sacken lassen, das Ganze mit unseren Männern diskutieren und beraten. Als wir am Montag die Idee immer noch für richtig hielten, beschlossen wir, gemeinsam weiterzumachen.

Im Sommer 2010 nahmen wir unbezahlten Urlaub und haben uns selbst eine dreimonatige Test-Phase eingeräumt. Zudem wollten wir das Feedback von möglichen Investoren einholen, ob das Konzept laufen könnte, und erst dann eine Entscheidung treffen. Das Feedback war dann durchgehend positiv, und so haben wir den Sprung gewagt; Job gekündigt, eine GmbH gegründet, den Shop gelauncht, und im Dezember desselben Jahres kam Kathrins erste Tochter zur Welt.

Das war ein ziemlich toughes zweites Halbjahr 2010.

MC: Ihr kommt beide aus einem sicheren Arbeitsverhältnis und wagt den Schritt in eine absolute Neugründung. Mit welchen Ängsten hat man es da zu tun?

Anike: Wir hatten beide bereits gut sieben Jahre als Angestellte hinter uns, und so wussten wir, dass wir uns das Wagnis für eine gewisse Zeit aufgrund unserer Ersparnisse leisten konnten - zwar nicht bis zur Rente, aber für eine erste Phase.

Kathrin: Die E-Commerce Gründungen in unserem Umfeld, die wir damals mitbekommen haben,  haben gezeigt - einige schaffen es und andere eben nicht, und so konnten wir uns natürlich einige Erfahrungswerte abgucken und hatten zudem erfahrene Berater an der Seite. Nichtsdestotrotz waren wir von unserer Idee so überzeugt und haben felsenfest daran geglaubt, dass Angst gar kein Thema war. Ich habe auch nie darüber nachgedacht, was wäre wenn. Für mich war es unglaublich aufregend, und es konnte gar nicht schnell genug gehen.

MC: Was hat sich für euch am meisten verändert?

Kathrin. Der Anspruch an die Arbeit hat sich verändert. Wir definieren die Ziele, sie werden nicht extern definiert. Und wir sehen unsere Idee wachsen und wachsen natürlich mit.

Anike: Die Themen haben sich natürlich verändert. Auf einmal ist es so, dass man Verantwortung für Mitarbeiter hat, und das ist eine ganz andere Verantwortung als in einem Angestelltenverhältnis. Man weiß, eine Existenz hängt von unserer Unternehmung und unserer Leistung ab.

MC: Du/ Ihr habt gerade zu Beginn Kinder bekommen. Wie schafft man das als Unternehmerin?

Kathrin: (Lacht) Wir haben in den letzten 6 Jahren 5 Kinder bekommen. Das Thema Kinder lief wirklich immer parallel in allen möglichen Phasen. Bei meiner ersten Tochter war es praktisch, weil unser Büro sehr nah an unserem Zuhause lag und unser erstes Kind relativ pflegeleicht war und viel mit ins Büro konnte. Wichtig zu diesem Zeitpunkt war auch, eine gute Infrastruktur zu etablieren. Ich habe das Glück, vier Großeltern in Berlin zu haben und dazu noch eine Nanny. Sie ist immer mit dem Baby spazieren gegangen und kam dann zum Stillen wieder ins Büro.

Gerade in den ersten Monaten unserer Gründung saßen wir oft bis spät in die Nacht im Office. Aber dadurch, dass meine Tochter so gut geschlafen hat, lief das alles sehr reibungslos ab, und ich konnte sie auch im Büro, in ihrem Kinderwagen, schlafen lassen.

Tausendkind by Steffen Roth_4.jpg

MC: Das scheint wirklich perfekt gelaufen zu sein. Gerade auch in der ersten Zeit, wenn man die Nächte noch nicht durchschlafen kann und vielleicht auch mit der sog. Stilldemenz zu kämpfen hat, bewundere ich so eine Disziplin.

Kathrin. Ja das stimmt. Ich muss sagen, ich hatte sehr großes Glück, mit allen drei Kindern.

MC: Hättet ihr einen Rat für junge berufstätige Mütter?

Kathrin: Ich würde sagen, immer flexibel bleiben. Außerdem sollte man sich frei machen von scheinbar allgemein-geltenden Vorstellungen. In erster Linie sollte man immer auf das Kind reagieren und selbst das nicht in feste Regeln pressen. So ist das mit dem Job ja auch. Man kann noch so viel planen, letztendlich muss man schnell reagieren können.

MC: In eurem Unternehmen begrüßt ihr junge Eltern. Seht ihr euch als vorbildliches Beispiel für ein familienfreundliches Unternehmen?

Anike: Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten bei uns: Einige machen Home Office an einigen Tagen in der Woche, andere fangen ganz früh an, weil sie Vollzeit arbeiten möchten, aber auch den Nachmittag mit ihren Kindern verbringen wollen, andere kommen auf uns zu, wenn die Kinder krank sind, die Kita zu hat oder aus anderen Gründen, und dann schauen wir, ob wir spontan eine Lösung finden können. Viele Mitarbeiter arbeiten für uns beispielsweise in Teilzeit.

MC: Ist eine firmeneigene Kita in Planung?

Anike: Das haben wir immer noch im Hinterkopf, aber wir haben aktuell nicht genügend Kinder in der Firma. Unser Mitarbeiterschnitt ist sehr jung., ca. bei 27 Jahre. Deswegen haben wir noch nicht so viele Kinder. Für die Eltern, die bei tausendkind arbeiten, versuchen wir total kinderfreundlich zu sein.

MC: Ihr seid gerade in ein neues Büro gezogen, feiert ein kleines Jubiläum – was steht als nächstes bei euch an?

Kathrin: Wir werden demnächst anfangen Möbel zu verkaufen. Wir haben bereits mit kleinen Deko-Produkten angefangen, jetzt folgen die ersten Kleinmöbel, die man noch mit einem handlichen Paket verschicken kann. Aber größere Möbel, so wie Hochbetten, wird es dann ab Januar 2017 auf tausendkind geben.

Anike: Wir wollen noch mehr im Bereich Eigenmarken machen. Bisher haben wir zwei Eigenmarken, die uns viel Freude machen: eine mit dekorativen Tierapplikationenzoolaboo, und die klassisch-maritime Marke Volltreffer. Aber wer weiß, was noch alles passiert.

MC: Eben, das lassen wirnoch offen und wünschen euch beiden viele große und kleine Erfolge bei tausendkind. Herzlichen Dank für eure Zeit.


Bilder Steffen Roth, Collage mit Produkten von tausendkind.de

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