Movie: Selma von Ava DuVernay

Movie: Selma von Ava DuVernay

Hollywood hat sich Zeit gelassen mit der filmischen Aufbereitung von Martin Luther King Junior. Die Ikone der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gehört zwar zum allgemeinen Lehrmaterial in Schulen, ist auch Gegenstand vieler Dokumentarfilme und einiger Fernsehfilme, aber ein solcher Biopic ist anscheinend erst jetzt nach dem kommerziellen Erfolg von 12 Years a Slave und der Unterstützung von Plan B, der Produktionsfirma von Brad Pitt, möglich geworden. Martin Luther King wird hier von dem Briten David Oyelowo gespielt.

In einer der ersten Szenen in Selma spielt Oprah Winfrey eine ältere Dame, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen möchte, der aber obskure Hürden entgegengesetzt werden. Sie muss absurde Fragen beantworten und ist völlig der Willkür eines rassistischen Beamten ausgesetzt. Selma zeigt auf diese Weise, wie Rassismus funktioniert, wenn er systematisch integriert ist. Und das war vor gerade einmal 50 Jahren. Duvernays Ansatz ist klar zu erkennen. Eine der längsten Szenen im Film ist dem "Bloody Sunday" im Jahre 1965 gewidmet, in der die Polizisten mit voller Wucht gegen die friedlichen und unbewaffneten Demonstranten vorgingen. Nicht zufällig werden Parallelen zu den Protesten und der heutigen Polizeibrutalität gegen Schwarze z. B. in Ferguson gezogen. Die Fernsehbilder des "Bloody Sunday" schockierten damals die ganze Nation und Massen folgten Kings Aufforderung, sich den Protesten in Selma anzuschließen. Von dort aus marschierten sie nach Montgomery, um so Druck auf Präsident Lyndon B. Johnson auszuüben, das  uneingeschränkte Wahlrecht für Schwarze zu gewähren.

Die Lehren der Regisseurin Ava DuVernay sind von großem Wert. Die Zutaten sind richtig und gut: Eine Hauptfigur, die nicht zum Heiligen gemacht wird, sondern auch Schwächen besitzt. Eine Bewegung, in der es reale Auseinandersetzungen um Strategien gibt. Und nicht zuletzt die Gewalt der Bilder. Und dennoch oder vielleicht wegen dieser Bilder schafft es der Film nicht, vollends mitzureißen. Zu poliert sind die Bilder, zu manieriert wird der Zuschauer zu Tränen gerührt. Als schließlich Original-Bildmaterial aus Selma gezeigt wurde, wünscht man sich stattdessen mehr davon. Aber dann wäre es wieder ein Dokumentarfilm geworden. Insofern hat Duvernay erfreulicherweise die Hemmschwelle zum großen Thema Martin Luther King überwunden und gewagt, es in der Fiktion darzustellen. Und das übrigens ganz ohne die von ihm bekannten Reden zu verwenden.

 

//Choleda Jasdany

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