Kommentare zur Modewoche: Manuel Almeida Vergara von der Frankfurter Rundschau

Kommentare zur Modewoche: Manuel Almeida Vergara von der Frankfurter Rundschau

Das Interessante nach einer Großveranstaltung wie der Modewoche Berlin ist der gegenseitige Austausch untereinander. Hier formen sich erst die Meinungen und das Gesehene kann unter verschiedenen Gesichtspunkten auseinandergenommen werden.  Ich liebe es immer sehr nach der Modewoche mit Menschen darüber zu sprechen, aber meistens wird das Gesagte oder manchmal auch Gedachte nie öffentlich.

In diesem Jahr möchte ich euch Leser gern daran teilhaben lassen. Ich habe Branchenkenner, Journalisten und Blogger befragt, wie sie die vergangene Woche im Zeichen der Mode wahrgenommen haben. Einen ganz lieben Dank schon mal im Vorfeld für eure Zeit und Mühe, denn die meisten der Befragten sind gleich nach der Fashion Week zum nächsten Großereignis geeilt: Der Couture Woche in Paris.  

Den Anfang macht ein ehemaliger Kommilitonevon mir, ich kenne Manuel noch von der AMD Berlin. Mittlerweile ist der Modejournalist von Berlin nach Frankfurt gezogen und meldet sich für euch von der Frankfurter Rundschau:


MC: Wie bereitest du dich auf die Berlin Fashion Week vor? Wie selektierst du die diversen Veranstaltungen?

MAV: Das ist relativ einfach, da das Programm von Saison zu Saison ja nur wenig variiert. In meinem Kalender stehen immer die Schauen der Designer, die ich für besonders relevant halte: Entweder weil sie einen etablierten Namen und kommerziellen Erfolg haben oder weil ihr Design innovativ und zeitgemäß ist. Wichtig für meine Berichterstattung in der Frankfurter Rundschau ist auch, dass ein größerer gesellschaftlicher, soziologischer oder gar politischer Kontext aufgemacht wird. Ich schreibe eine wöchentliche Kolumne, in der es genau darum geht: Die großen Themen, die mit kleinen Kleidungsstücken zusammenhängen. In der Modewoche versuche ich außerdem so viele Abendveranstaltungen, Salons und Cocktails wie möglich zu integrieren, weil sie sich immer wieder als gute Gelegenheiten zum Networking erweisen und es auch wichtig und interessant ist, sich mit dem übrigen Fachpublikum ausgelassen und offen über das bei Schauen Gesehene auszutauschen.

 

MC: Mal ganz ehrlich: Überlegst du dir Outfits?

MAV: Da ich mir eigentlich jeden Abend ein Outfit für den nächsten Tag zumindest grob überlege, macht die Modewoche natürlich keine Ausnahme. Im Gegenteil: Da arbeite ich mit einer minutiösen Tabelle, auf der nicht nur meine Termine stehen sondern auch, was ich wann tragen will. Während der Modewoche bleibt nicht viel Zeit sich erst mal in Ruhe im Schrank umzuschauen. Und da ich neuerdings aus Frankfurt am Main anreise, muss ich natürlich sowieso vorher genau überlegen, was ich einpacke.

MC: Ist die Berliner Modewoche für dich eine Inspiration?

MAV: Die Berliner Modewoche bestärkt mich immer wieder in dem, was ich tue. Die Veranstaltung hat von organisatorischer Seite, vom Publikum und vom ganzen Drumherum definitiv ihre Höhen und Tiefen. Was allerdings immer wieder ganz deutlich wird: Die Mode deutscher Designer gewinnt stetig an Qualität und Niveau. Sie ist es, weswegen ich auch weiterhin gerne auf die Modewoche komme und von ihr berichte.

MC: Hast du neue Trends, Ideen oder Labels gefunden?

MAV: Ganz neue Trends gab es für mich nicht zu sehen. Eher wurden bestehende Trends mit einer neuen Note versehen. Die überlangen Ärmel zum Beispiel, die bei Vetements oder Gosha Rubchinskiy einen schlampigen, schluderigen Charakter haben, wurden bei einigen Berliner Designern eher elegant umgesetzt. Das hat mir sehr gefallen.

MC: Welcher Designer war dein Favorit?

MAV: In dieser Saison hat mir die Schau von William Fan am besten gefallen. Das liegt sicherlich zum einen auch an der tollen Location, dem aufwändigen Bühnenbild einer asiatischen Straßenszene und an der absolut grandiosen Musik. Das Wichtigste war aber natürlich die großartige Mode, die gezeigt wurde. William Fan ist ja tatsächlich noch relativ frisch dabei, aber ich finde er hat eine sehr präzise Handschrift, die mir gefällt. Seine Mode hat etwas sehr elegantes, erwachsenes, ohne trutschig auszusehen.

MC: Was ging absolut gar nicht?

MAV: Die Bierbänke im Kaufhaus Jandorf. Auch wenn sie gnädigerweise weiß lackiert wurden: Außerhalb vom Oktoberfest möchte ich auf so etwas nicht sitzen müssen.

MC: Was musst du unbedingt in Berlin machen, wenn du zur Modewoche kommst?

MAV: Die Vogue Night im Borchardts und anschließend zur Party vom Zeitmagazin – das war für mich jede Saison absolutes Pflichtprogramm! Dieses Mal hat die Vogue Night in ihrer üblichen Form ja leider nicht stattgefunden, aber die Ersatzveranstaltung von der Vogue im KaDeWe war auch sehr gelungen. Und die Zeitmagazin Party danach war ausufernd wie immer.

MC: Welches Kleidungsstück verbindest du mit Berlin?

MAV: Unten Jogginghose, oben Pelz.

MC: Trägst du selbst deutsche Labels?

MAV: Leider kaum. Ich habe eine bordeauxrote Schluppenbluse von Fomme, die seit drei Saisons Teil des Vogue Salons sind. Immer wenn ich die trage und die tolle Qualität erlebe, frage ich mich, warum ich nicht viel mehr deutsche Labels trage.

MC: Was war die Quintessenz dieser Modewoche?

MAV: Gut dass es sie gibt – aber so geht’s nicht weiter.

MC:  Vielen lieben Dank Manuel.



 

 

 

 

 

 

 

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