MalaikaRaiss SS17 /  Interview + Backstage Pics

MalaikaRaiss SS17 / Interview + Backstage Pics

Die Modewoche ist schwuppdiwupp an uns vorbei gerast. Ich konnte leider nur einige der hochangepriesenen Veranstaltungen wahrnehmen, aber selbst die haben sich gelohnt und ich war mehr als happy Kollegen und Freunde aus der Szene wiederzusehen. Eines meiner Highlights war die Show von MalaikaRaiss. Ihre Handschrift ist signifikant und ihr Stil luxuriös mit entspanntem Laid-Back Faktor. Kurz vor der Show durfte ich noch flink ein paar Insights knipsen und Malaika einige Fragen zuwerfen:  

Die Designerin Malaika Raiss kurz vor ihrer Show für SS17

Die Designerin Malaika Raiss kurz vor ihrer Show für SS17

MC: Deine Kollektion für den nächsten Sommer trägt den Titel Beaches. Wie dürfen wir uns das vorstellen, hast du das Thema Strände in Prints oder Schnitte übersetzt?

MR: So genau darf man das eigentlich nicht fassen, genaugenommen geht es um Karibische Strände, so wie St. Barth oder Mystique, da wo sich die Rockstars gerne verstecken.

Ich würde gerne die Karibische Leichtigkeit mit meiner Kollektion ausdrücken.

Die Kollektionsteile sind wieder sehr zart und weich, zwischendrin setzten wir Akzente mit einem kräftigen Rot und einem grünlichen Blau. Von der Stofflichkeit interpretieren wir das Thema mit einem leicht flattrigen Material, das mit rockigen Ansätzen wie Ösen, etwas härteren Stickereien aufgebrochen wird. Wir haben auch mit Muschel – und strandtypischen Elementengearbeitet und beispielsweise mit Neopren Formen nachgebaut, welche vielleicht gerade nicht so typisch „Malaika“ sind.

MC: Einer der wichtigsten Säulen deiner Marke sind die Accessoires. Was erwartet uns nach dem großen Star Wars Hype nun?

MR: Wir haben im Schmuckbereich in der ersten Saison sehr viel mit 3D gemacht, um genau zu sein, mit 3D Guss. Bei Star Wars haben wir im Vergleich nur mit 2 Teilchen gearbeitet, was natürlich ein Unterschied ist. Auch hier stand erst einmal ein Learning an: 3D ist weitaus komplexer und wir mussten erst einmal ein bisschen herumprobieren.

In der kommenden Saison haben wir uns von den essbaren Zuckerperlen-Ketten aus der Kinderzeit mitreißen lassen, die haben wir quasi nachgebaut und in 3D gießen lassen. Man trägt sie als Perlenkette oder mit einfachen Lederbändern. Die Ketten wird es künftig als Metallisierung in einem zarten Roséton, der zwischen Rosé und Flieder liegt, geben. 


MC: Und bei den Schuhen, ich habe backstage gerade schon sehr schöne Sandalen sichten können. Wird es in diesem Bereich auch eine Palette geben?

MR:  Leider nein. Die Schuhe sind alles Show-Unikate, die wir eigens für die Präsentation angefertigt haben.

MC: Nachhaltigkeit in Sachen Mode ist gerade ein vielbesprochenes Thema. Wie geht ihr denn bei MalaikaRaiss damit um?

MR: Ja durchaus, da gebe ich dir Recht. Bei MailaikaRaiss ist auch Nachhaltigkeit ein Thema. Zur Zeit verwenden wir vermehrt Regenerate, wie beispielsweise Viskose oder Acetate, welche auf Zellstoffbasis hergestellt werden. Wir schauen natürlich immer nach weiteren Alternativen. Einige, der sehr nachhaltigen Materialien sind aber zur Zeit noch nicht alltagstauglich und nicht wirklich angenehm für den Träger. Für uns ist das ein stetiger Prozess, der mit der entsprechenden Nachfrage erst einmal steigen muss. Wie beispielsweise bei Kunstleder: Wir suchen immer eine Alternative nach Leder. Aber dabei muss man sagen, dass Kunstleder überaus teuer ist, das sieht man sehr schön an Stella McCartney, ihre Lederalternativen sind sehr kostspielig.

Die Lederlobby ist immer noch sehr groß, viele Designer wollen gerne Alternativen verwenden, die mit entsprechenden Qualitäten punkten, aber wir können es in unserem Segment noch nicht umsetzen.

Der Grundgedanke von MalaikaRaiss ist aber auch die Teile über mehrere Saisons zu tragen, sie eventuell zu vererben und den Konsum überschaubar zu halten. Denn alle MailaikaRaiss-Teile funktionieren trendunabhängig über mehrere Saisons.

 

MC: Trends sind ein schönes Stichwort. Sie lösen sich immer weiter auf und vermischen sich in ein großes Ganzes. Ähnlich wie bei Gucci werden gerade nur noch Outfits als kleine Kunstwerke präsentiert. Was hältst du denn von dieser Tendenz?

MR: Mmh schwierige Frage. Ehrlich gesagt ist mir vieles gerade viel zu dekoriert. Es funktioniert auch immer nur als Total Look. Ich finde es immer ein bisschen schade, ich mag es eher, wenn man Teile auch mal anders kombinieren kann. Sorry meins ist es nicht.

MC: In Deutschland wird ja doch eher kombiniert, im Gesamtbild ist die deutsche Konsumentin doch sehr schlicht im Gegensatz zu Frankreich und Italien. 

MR: Ja das stimmt natürlich.

MC: Allessandro Michele hat in einem Youtube Interview gesagt, dass man weniger konsumieren sollte und das aus dem Mund eines Designers. Wie passt das zusammen, wenn man bedenkt, dass man als Designer ja Produkte verkaufen sollte, um seine Brötchen zu verdienen? Kann man das auf dich übertragen?

MR: Ja auf jeden Fall. Weniger und wertschätzender sollten die Konsumenten kaufen. Man sollte mehr in gute Materialien investieren.

MC: Aber wie kann man deiner Meinung nach dieses Thema in Deutschland weitervorantreiben? Klar, Nachhaltigkeit wird immer wieder thematisiert auch in Magazinen, aber Legeseiten und Kaufempfehlungen gibt es trotzdem mehr und mehr?

MR: Puh das ist eine schwierige Frage, ich würde erst mal ganz pauschal sagen, sie sollen mal mit ihren Großmüttern sprechen. Meine hat sehr auf mich abgefärbt, sie hat immer ultra-teure Klamotten gekauft und die ewig lang getragen und gepflegt. Ich finde man müsste den Konsumenten auch die Produktionskette mehr bewusst machen und was sie eigentlich am Körper tragen, wenn sie billig und in Masse kaufen. Es sollte einfach mehr informiert werden. Das ist natürlich auch ein Prozess und lässt sich nicht von heute auf morgen ändern. Ich habe aber trotzdem das Gefühl, das der Trend wieder mehr dazu geht, dass die Leute wieder ein Bewusstsein entwickeln. Ich glaube auch nach dem Thema Ernährung, viele kaufen gerade nur noch saisonale Lebensmittel, kann sich diese Tendenz auf die Mode übertragen.

Hinzukommt, das dieses Thema natürlich auch eine Bildungsfrage ist, man könnte die öffentlich-rechtlichen Medien ins Boot holen und eventuell auch in Schulen anfangen über allgemein nachhaltiges Leben aufzuklären. Ich meine es gibt ja auch eine Generation nach uns.

MC: Letzte Frage: Was ist aktuell dein Lieblings-Kleidungsstück, unabhängig von deinen eigenen Teilen?

MR: Oh ja, meine gestreifte Céline Bluse. Die habe ich mir selbst zu Weihnachten gekauft und hatte vier Wochen ein ganz schlechtes Gewissen. Ich glaube das war wirklich das teuerste Teil, welches ich je gekauft habe. Ansonsten meine sehr durchgelatschten Leo-Vans.

MC. Vielen herzlichen Dank liebe Malaika für das tolle Gespräch. 


Bilder Backstage: Katrin Schlotterhose

Bilder: Show PR

Outfit Summary KW26

Outfit Summary KW26

La Dolce Beauty - die Schönheit aus Italien

La Dolce Beauty - die Schönheit aus Italien