Kommentare zur Modewoche: Julia Hackober, Features Editor bei der WELT & ICONIST

Kommentare zur Modewoche: Julia Hackober, Features Editor bei der WELT & ICONIST

Pünktlich zur Fashion Week meldet sich die ICON- das Stilmagazin der WELT mit einem neuen Onlineauftritt. Aus ICON wird ICONIST und wo feiert man am besten seinen Relaunch? Ganz richtig, auf der Modewoche. Auch ich habe mitgefeiert und gratuliere an dieser Stelle zu einem sehr gelungenen Aussehen.

Die ICON(IST) ist schon immer ein Magazin mit Substanz. Es geht nicht nur um leere Worthülsen und bunte Bilder, sondern um Stil mit gut recherchierten und reflektierten Inhalten. Nicht ganz unbeteiligt daran ist Julia Hackober. Als Journalistin beleuchtet sie nicht nur Stilfragen, sie hinterfragt und durchdenkt Phänomene unserer Gesellschaft. Ihre Artikel und ganz besonders ihr Instagram-Auftritt sind manchmal so witzig, dass selbst ich kommentarscheues Reh lauter Herzchen und Wows hinterlassen muss. Julia sollte diesen Fragebogen bekommen und ich habe ihre Antworten mit großem Interesse gelesen. Ich hoffe ihr tut das auch:


MC: Wie bereitet du dich auf die Berlin Fashion Week vor? Wie selektierst du die diversen Veranstaltungen?

JH: Eigentlich jede Saison bin ich in den Tagen vor der Fashion Week ganz überrascht, dass es jetzt wirklich schon wieder so weit ist. Dann suche in meinem Mail-Postfach stundenlang nach Save-the-Dates und Einladungen, um herauszufinden, was eigentlich alles stattfindet; einen wirklich verlässlichen Schauenplan gibt es ja nie. Anschließend verteilen wir die einzelnen Termine in der Redaktion und überlegen dabei ganz genau: Wollen wir darüber am Ende auch wirklich berichten?

MC: Mal ganz ehrlich: Überlegst du dir Outfits?

JH: Ja, natürlich! Und das ist manchmal gar nicht so einfach, darüber habe ich auch gerade hier geschrieben. Während der Fashion Week falle ich oft von einem Outfit-Extrem ins andere: Entweder, ich krame alle Klamotten hervor, die den Berliner Mode-Hipster-Vibe meiner Meinung nach noch am besten transportieren, sonst fühlt man sich bei Events zwischen all den coolen Menschen in Hoodies, Latexröcken, Netzstrumpfhosen und bunten Fake-Fur-Jacken schnell ein wenig fehl am Platz. Oder aber, ich starte eine kleine Outfit-Rebellion und entscheide mich für richtige preppy Looks, mit hellblauem Hemd und Goldschmuck.

MC: Ist die Berliner Modewoche für dich eine Inspiration?

JH: Ich mag es, wenn man in dieser manchmal doch echt anstrengenden und schwierigen Branche tolle Menschen kennenlernt und positiv überrascht wird. Zum Beispiel beim Modesalon: Dort geht es nicht nur darum, wer in welcher Reihe auf welchem Platz sitzt und welche Klamotten trägt, sondern man kann sich wirklich mal unterhalten. Die Modebranche macht eben doch viel, viel mehr aus als nur das Statusdenken von Bloggern und Redakteuren. Ich finde zum Beispiel viele Leute im echten Leben viel netter und sympathischer, als es ihre Social-Media-Accounts vermuten lassen würden.

MC: Hast du neue Trends, Ideen oder Labels gefunden?

JH: Philomena Zanetti und Steinrohner! Die beiden Labels habe ich seit der Modewoche erst richtig auf dem Schirm und wünsche den Machern viel Erfolg für die Zukunft.

Julia Hackober

MC: Welcher Designer war dein Favorit?

JH: Die Show von William Fan habe ich leider verpasst, weil sie abends erst recht spät stattfand und ich offen gestanden einfach keine Lust mehr hatte, an diesem Tag noch länger irgendwo rumzusitzen. Nun ärgere ich mich natürlich total – allein das China-Town-inspirierte Setting sah super aus.

Toll fand ich auch die krachenden Pink-und Rottöne bei Malaikaraiss. Wird ein Riesentrend noch dieses Jahr!

MC: Was ging absolut gar nicht?

JH: Ich fand die Diskussion sehr spannend, die nach der Modewoche durch Medien und Blogs geisterte. Zugespitzt gesagt ging es um die Frage, ob Instagram-Influencer mit ihrem Selfie-Gehabe die Berliner Fashion Week nun komplett ruinieren. Die Designer, die in Berlin zeigen, bemühen sich teilweise seit Jahren um ernsthafte internationale Aufmerksamkeit und wirtschaftlichen Erfolg. Macht es in diesem Zusammenhang wirklich Sinn, 20-jährige Mädels mit den eigenen Entwürfen auszustatten, damit die dann Selfies in der Frontrow machen? Welche 13-Jährige Followerin dieser Damen wird sich daraufhin wirklich einen Rock von Marina Hoermanseder kaufen? Erhebungen darüber würden mich mal ehrlich interessieren. Für mein Empfinden trumpft allerdings gerade der Reichweiten-Wahnsinn jede Vernunft. Ein bisschen lustig ist das Ganze schon: Früher hieß der Kampf „Redakteure versus Blogger“, inzwischen „Blogger versus Instagram-Influencer“.  

MC: Welches Kleidungsstück verbindest du mit Berlin?

JH: Oversized-Mäntel und –Bomberjacken.

MC: Trägst du selbst deutsche Labels?

JH: Ja, aber eher alteingesessene, weniger fancy-modische Marken wie Closed, Boss, Allude, FTC Cashmere etc. Von meiner Mutter habe ich auch noch richtig schöne Vintage-Blazer und –Kleider von St. Emile, sowas findet man heute nur noch selten.

Accessoires kaufe ich hingegen öfter von deutschen Designern: Schmuck von Nina Kastens und Anna von Bergmann finde ich toll, gerade habe ich mir ein paar Wahnsinnsstiefel von Kennel & Schmenger gekauft, außerdem spare ich auf eins der wunderschönen Capes von DasCapeMädchen.

MC: Was war die Quintessenz dieser Modewoche?

JH: Ohne Follower kein Frontrow-Platz. Mit Kritik keine Einladung.

MC:  Vielen lieben Dank Julia.

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