Kolumne: Wieviel Luxus brauche ich im Leben?

Kolumne: Wieviel Luxus brauche ich im Leben?

Der Mensch, das Rudeltier. Trägt das Alpha-Tierchen Céline, trägt früher oder später das komplette Rudel auch Céline. Das sieht wiederum ein anderes Alphatierchen, macht Bilder davon und stellt sie ins #rudelgram. Mit Einhörnern gespickt und fliegenden Herzen versehen, landet das Bild auf #rudelgram auf den Wunschzetteln aller weiblichen Rudeltiere. Denn was Power-Alpha trägt, ist sooo cool.

So ticken wir, so ticke ich und so entstehen heutzutage Wünsche. Das lief früher vielleicht anders bzw. langsamer, heute aber dreht sich die Welt schneller denn je. Was geblieben ist, ist die Orientierung an Gruppen und potenziellen Rudelführern.  Man ist zwar selbst kreativ, aber man schaut sich trotzdem gerne Dinge ab, die zum Weiterdenken animieren. So geht es mir zumindest. Ich stufe mich nicht als Nachmacher ein, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich keines meiner Outfits selbst erfunden. Ich habe sie alle schon einmal irgendwo gesehen und lediglich für mich persönlich übersetzt. Das finde ich in Ordnung so. Aber trotzdem muss ich mir selbst treu bleiben.

Wo mir mittlerweile aber echt die Spucke weg bleibt, ist der Wahn nach Luxus. Auch ich arbeite in der Mode-Branche, bin ständig umgeben von Luxus und ihren Gütern und möchte auch manchmal "HER DAMIT!" schreien. Das Gefühl Dinge unbedingt haben zu müssen, befällt mich regelmäßig. In diesem Moment muss ich inne halten und mir mein persönliches Mantra eintrichtern. „Du musst nicht alles haben, was du siehst“. Dann atme ich zweimal durch und die Sache ist gegessen, denn wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, brauche ich nur einen Bruchteil dessen, was mein Auge täglich konsumiert. Und mein Kleiderschrank hat trotzdem noch Kapazitäten für nie gesehene Looks. Ich muss ihn nur wieder sortieren.

Ich bin vor einiger Zeit über eine Aussage einer blutjungen Redakteurin gestolpert, die in einem Interview sinngemäß schrieb, dass sie schon jedes Jahr eine neue Designer-Handtasche kaufen würde.

Ich rege mich darüber nicht auf, weil jeder sein Geld investieren kann, in was er möchte. Vielleicht verkauft und spart sie wie eine Wilde. Man weiß das alles nicht. Aber trotzdem ist mir dieser Satz sehr unangenehm aufgestoßen und erzählt viel über die Generation Luxusproblem. Warum muss man jedes Jahr eine neue Tasche im Wert von 1.500€ haben? Warum muss man sich ständig mit Statussymbolen profilieren? Und warum hält man stolz wie Bolle ebendiese ständig in die Kamera seiner 2000 #rudelfans, die dann noch glauben das sei normal. Das ist es nicht.

Ich denke da zurück an die Anschaffung meiner ersten Céline Handtasche. Ich war 31 Jahr alt und habe 16 Monate vorher jeden Monat 100€ zu Seite gelegt. Als ich das Geld dann zusammen hatte, war es mir fast zu schade, es mit einem Mal auszugeben. Ich will damit sagen, dass Designer-Kleidung durchaus seine Legitimation hat. Wer hart arbeitet, kann sich bestimmte Dinge leisten. Wer sich belohnen möchte, darf das natürlich auch in Form von Wertgegenständen tun. Aber mittlerweile sehe ich um mich herum nur noch Marken, Luxus und Konsum. Wer kann sich das immerzu leisten?


Collage via sarkartonn.fr, Bild via Pinterest



Instagram Merkzettel: KW 12

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