Interview Otto Drögsler und Jörg Ehrlich // ODEEH

Interview Otto Drögsler und Jörg Ehrlich // ODEEH

In der vergangenen Woche präsentierten Odeeh ihre bereits 9. Kollektion während der Pariser Modewoche. Mit zarten Nudefarben und einem Spiel aus grafischen und floralen Drucken zogen die beiden Deutschen wieder ein kleines Ass aus dem Ärmel. Typisch deutsches Design? Im internationalen Kontext betrachtet: Ja! Denn mit makellosen Schnitten und geradlinigen Silhouetten sind Odeeh das Vorzeigelabel mit hohen Standards und absoluterem High-Fashion Look. Wir haben die Designer Otto Drögsler und Jörg Ehrlich einige Minuten nach der Show zum Interview gebeten:

MC: Ihr arbeitet seit Jahren mit innovativen Prints und grafischen Mustern. Wie lasst ihr euch jedes Jahr neu inspirieren?

ODEEH: Das ist ganz unterschiedlich, manchmal fängt es mit einer Postkarte oder einem Vintage-Stück an, dass wir irgendwo kaufen, aber auch Ausstellungen und Magazine können der Aufhänger für neue Prints und Formen sein. Meistens ist auch immer eine Portion „Wiener Werkstätten“ mit dabei; Otto kommt ja aus Österreich und ich habe ganz persönlich eine große Affinität zu Wien, ganz besonders zu Hoffman & Klimt.

Bei den Wiener Werkstätten schließt das Eine das Andere nicht aus. In unserem Konzept haben wir grafische Prints den floralen entgegengesetzt, um so eine besondere Spannung zu schaffen. In unserer Kollektion hat uns die Frage am meisten interessiert: Wie kann ein Streifen noch aussehen? Diese Fragestellung ist auch gleichzeitig zu unserm Motto geworden.

Wir haben zu Beginn angefangen, Streifen zu flechten und zu formen, plötzlich sind diese bauhausartigen Muster heraus gekommen, die wir mit Blumen kombiniert haben. In unserer Arbeit ist immer auch ein gewisse Spannung zu spüren – wir sind ja auch zwei verschiedene Köpfe mit unterschiedlichen Meinungen, auch das fließt in den Kreativprozess mit ein.

MC: Wie entwickelt sich dann daraus der Schnitt und die Silhouette?

ODEEH: Der Schnitt ist sehr zeitgeistig geprägt und entsteht sehr stark über Ottos Skizzen und Zeichnungen.

Ich wusste schon, wenn ich viel mit grafischen Mustern arbeite, muss auch der Schnitt sehr geradlinig und stimmig werden. Wir haben versucht Bewegung in Schnitt und Silhouette zu transformieren. Beispielsweise sieht man ein Kleid und denkt sich, es wäre doch toll darunter noch eine Hose zu zeigen. So haben wir uns Schicht für Schicht nach unten gearbeitet - von oben grafisch angefangen und das Ganze nach unten locker aufgelöst.

MC: Wie bewertet ihr jetzt Euer Gesamtwerk, 5 Minuten nach der Show?

ODEEH: Es hat totalen Spaß gemacht, wir haben mit Odeeh Dinge gemacht, die es vorher noch nie gab. Wir würden fast sagen, es ist die weichste Kollektion, die wir jemals gestaltet haben. Beispielsweise haben wir noch nie mit transparenten Materialien gearbeitet oder uns von einem Kinderkleid inspirieren lassen. Man sieht das ganz schön an den hochgeschlossenen Krägen, ein Kleid beispielsweise fällt sehr weich und fließend und der Saum bricht sehr schön floral nach unten auf. Obwohl diese Stücke mit viel Material arbeiten, ist die Silhouette sehr sexy, das Verborgene befindet sich irgendwo darunter.

Die Frau von heute will unserer Ansicht nach auch nicht plakativ beeindrucken, sondern eher auf den zweiten Blick und dafür ist unsere Kollektion maßgeblich gemacht. Feminin und stark.

 

MC: Ihr als Team arbeitet bereits seit 20 Jahren zusammen, gibt es da eine klare Rollenverteilung?

ODEEH: Das wechseln immer schwerpunktmäßig. Das Wichtigste ist aber trotzdem, dass wir alle Entscheidungen zusammen treffen. Es gibt jeweils Bereiche, die jeder von uns individuell vorbereitet und einbringt: Otto ist derjenige, der ganz klar die kreative Basis  liefert und ich bin stärker in die Stoffentwicklung involviert und wenn es zu den ersten Anproben kommt, sind wir natürlich beide gleichermaßen involviert.

MC: Ist es nicht gerade der Kreativprozess sehr anfällig für Streitigkeiten? Wie sieht das Streitpotential bei euch aus?

ODEEH: Klar gibt es Auseinandersetzungen und klar gibt es auch die Grenzüberschreitung zum Streit, aber es ist immer geprägt von den 20 Jahren, die wir mittlerweile schon miteinander arbeiten. Diese geben uns letztendlich auch die Sicherheit, dass wir an einem Strang ziehen. Wir wissen aber auch mittlerweile, dass diese Auseinandersetzungen unseren kreativen Prozess unheimlich unterstützen und uns vorantreiben können. Wir passen aufeinander auf. Und so kontrollieren wir uns auch ein Stück gegenseitig (beruflich natürlich).

MC: So wie Schwarz und Weiß?

ODEEH: Wie denken in vielen Situationen sehr unterschiedlich und finden es spannend das daraus eine dritte Dimension entsteht: Odeeh.

MC: Wie kann man sich die Odeeh-Frau vorstellen?

ODEEH: Es ist auf jeden Fall eine starke Frau, wir würden sagen mit einem Recht europäischen Geschmack. Es ist eine Frau, die sich traut sehr exponiert aufzutreten und die ihr eigenes Geld verdient. Die sehr genau weiß, wie man hochwertige Materialien miteinander mixt. Die Odeeh-Frau mischt verschiedene Kollektionen und integriert Vintage und Couture – sie will sich ausprobieren und ist dabei sehr mutig.

MC: Das ist eine sehr schöne Zusammenfassung, herzlichen Dank für eure Zeit.

 

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Styling: Gelb

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