Interview: Isabell de Hillerin über ihre Kollektion, das Thema Nachhaltigkeit & ihren Job als Designerin

Interview: Isabell de Hillerin über ihre Kollektion, das Thema Nachhaltigkeit & ihren Job als Designerin

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Isabell de Hillerin designt nicht nur mit Hingabe, sie gratuliert auch jedem der ein neues Stück gekauft hat.  Eine Geste, die den Wert von Kleidung wieder ins Gedächtnis rufen soll. Design kauft man sich nicht tagtäglich, deshalb ist die bewusste Wahl für ein Kleidungsstück und dessen Qualität von oberster Bedeutung. Isabell de Hillerin ist ein Label von Eleganz, Stilbewusstsein und Qualität, sie achtet dabei ganz besonders auf traditionelle Handwerke, die in Detail und Verarbeitung in jeder ihrer Kollektionen mit einfließen. Wir haben Isabell Backstage nach ihrer Show auf der Berlin Fashion Week getroffen:

MC: Deine Kollektion für den Winter 2015/16 sieht super entspannt aus. Ist das gerade auch deine eigene Einstellung?

IDH: Ich bin generell kein sehr gestresster Mensch, sondern bleibe auch in anstrengenden Phasen immer ruhig. Eine neue Kollektion zu erstellen mit dem Wissen, diese erstmal auf dem Runway der MBFW in Berlin zu zeigen, hat mir einerseits viel Energie gegeben, aber die Aufregung war dennoch groß. Zusammen mit der wundervollen Stylistin Claudia Hofmann wollten wir mit der Kollektion ein Statement abgeben und Gelassenheit und Eleganz vereinen.

MC: Wir haben auf dem Catwalk zum ersten Mal Knitwear gesehen? Wie kam das, und welche Ansprüche hast du gerade bei Wolle in Sachen Qualität und Herstellung?

IDH: Ich hatte schon länger vor mit Strick zu arbeiten und in dieser Kollektion hat es auch perfekt reingepasst. Die handgestrickten Pullover sind aus Mohair Wolle von der Firma Rowan, die für Nachhaltigkeit und Qualität stehen. Auch hierbei war mir wieder wichtig auf Qualität und Handarbeit zu setzten.

MC: Du lässt ja deine Handarbeiten sehr oft in Ländern wie Rumänien fertigen. Was sind denn in dieser Kollektion die Besonderheiten in Sachen Handarbeit und Stickerei?

IDH: In der Winter 2015 Kollektion habe ich diesmal ausschließlich mit Frauen in Moldawien gearbeitet. Es gibt einen handgewebten traditionellen Stoff aus 100% Organic Cotton der sowohl in Kleidern, Blazern und Sweatern mit eingearbeitet ist sowie viele bestickte Details die aus einer alten Teppichknüpftechnik entstanden sind. Wie in dem lavendelfarbenen Oversize-Mantel sichtbar in Form einer blauen Bordüre entlang des Revers verarbeitet wurde.

MC: Du bist bereits seit einigen Saisons fester Bestandteil der Modewoche Berlin. Auf was bist du eigentlich besonders stolz?

IDH: Mir ist klar, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, das machen zu können was ich tue und als Designerin Anerkennung zu bekommen. Vor allem zu sehen, dass so viele Menschen daran glauben und gerne meine Sachen tragen, macht mich definitiv stolz.

MC: Was ist als deutscher Designer das Schwierigste?

IDH: In Deutschland wird leider Mode immer noch nicht groß geschrieben und das kreative Potenzial wird unterschätzt. Das bekommt man als Designer natürlich auch zu spüren und konzentriert sich daher eher auf die Präsenz im Ausland, was zur Folge hat, dass leider viele deutsche Designer von der Bildfläche verschwinden. Zur Fashion Week wurde jetzt erstmals der ‚German Fashion Design Council’ von Modeexperten, wie z.B. Christiane Arp, ins Leben gerufen um genau das zu ändern und die nationale und internationale Wahrnehmung der Modeszene und Designer zu stärken. Als Designer ist es nicht leicht sich auf dem Modemarkt zu behaupten, daher freut es mich um so mehr, zu sehen, dass man nun im gemeinsamen Austausch mehr in Bewegung setzten kann.

MC: Dein Design-Liebling, über Saisons und Zeiten hinweg? Hast du so etwas?

IDH: Hättest Du mich jetzt gefragt, ob ich eine Muse oder ein Idol habe, hätte ich Dir keine Namen nennen können, aber den Designer den ich immer an erster Stelle nenne, bleibt bei mir Haider Ackermann. 

MC: Vielen herzlichen Dank, Isabell.

 

Bilder: getty images

 

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ART: Cristina Guggeri - The Daily Duty

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