Haute Couture: Chanel

Haute Couture: Chanel

 So heftig die Ereignisse der letzten Wochen in Paris waren, die Fashionweek lässt sich in diesen Tagen nichts davon anmerken. Ganz im Gegenteil, Shows wie die von Chanel überzeugten mit einer furchtlosen Heiterkeit, die den Zuschauer wieder fröhlich in den Frühling stimmten.

Das die Haute-Couture Präsentationen von Chanel nicht gerade für dezente Zurückhaltung steht, ist allseits bekannt; aber wahrscheinlich auch der Grund dafür, warum sie zu den absoluten Highlights jedes Fashionweek-Kalenders gehören. Mit ihren hauseigenen Kunsthandwerkern, die akribisch an jedem einzelnen Detail arbeiten, hat sich Chanel den Ruf als Patriarch der Haute-Couture Shows erarbeitet.

Dieses Mal verwandelte Karl Lagerfeld das Innere des pompösen Grand Palais in ein lebensgroßes farbenfrohes, leuchtendes Terrarium. Inmitten einer weißen Tropenlandschaft leuchteten aufwendige Origami-Papierblüten und Palmen in Knallfarben wie Pink, Rot und Gelb. Allerdings musste das tropische Herzstück der Kulisse erst mal von männlichen Chanel-Gärtnern begossen werden, um zu gedeihen. Der typische Karl-Humor eben.

Und die Kollektion? Viel Haut gab es diesmal rund um den Bauchnabel zu sehen. So bestätigte auch Karl Lagerfeld: “Der Bauch ist das neue Dekolleté”.

Soviel Bauchfreiheit wirkt jugendlich, frisch und auch die Farbpalette der Kollektion passt zum mädchenhaften Flair der Show. Fuchsia, Mandarine, Königsblau und Kanariengelb gaben den Ton an. Zu sehen waren florale Stickereien auf den Kleidern, gepaart mit Hüten im Lustige-Witwen-Stil. Die typischen Signature-Looks des Hauses wie der Tweed-Zweiteiler waren diesmal leicht abgerundet und die Kastenjacke etwas gekürzt, um mehr Taille zu zeigen.

Die Abendgarderobe wurde geziert von perlenförmigen Blüten, prachtvollen Federn, lasierten Pailletten und natürlich Blumen, Blumen, Blumen soweit das Auge reichte. Ein wirklicher Gegensatz zum gewohnten Schwarz-Weiß der Looks.

Der Genius der Exzentrizität mixt schwarze Sock-Boots mit Scheitelkäppchen und kombiniert diese mit großzügig geschmückten Röcken; teilweise lang und üppig, oder aber auch kurz und fransig. Die flachen Schuhe kreieren einen gewissen jolie-laide Charme, der zum Teil mit den Konventionen des Couturier-Klientels bricht. Manch andere Kleider waren wieder glockenförmig, geschmückt mit Lagen von Seidenblumen, die an eine Sommerwiese erinnerten. Die englischen Merry Widow Hüte aus den 70-80er Jahren, die vorne oft noch mit einem Fischnetz überzogen wurden oder die mit Blumen überladenen Edwardischen Hüte, vermittelten einen historischen Vintage Touch inmitten der frühlingshaften Atmosphäre, die an ein aristokratisches Piquenique im Sommergarten denken ließen.

Die Haute Couture Show von Chanel überzeugte mit einer Reinkarnation des Bohemians, aufgefrischt mit jugendlichen Elementen und vielen vielen Farben und Blumen. Auch das kleine Schwarze von Chanel wurde diesmal mit plissiertem Chiffon und Organza uminterpretiert. Neu waren die einzelnen Elemente nicht, aber warum auch, wenn das Alte so gut funktioniert und das Endresultat einfach bezaubernd war. Spielerisch, leicht und ein neu überschriebener fröhlicher Jahresauftakt war das, was Chanel dem Pariser Publikum dieses Jahr vermittelte.

 

//Aileen Marika Hokari

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