„Finding Vivian Maier“ Aus dem Schatten ins Licht

„Finding Vivian Maier“ Aus dem Schatten ins Licht

Ein Mädchen steht mit verschränkten Armen vor einem Schaufenster – traurige Augen, die den Tränen nahe sind, in einem etwas dreckigen Gesicht. Am Handgelenk trägt sie eine viel zu große Männerarmbanduhr. Dieses Foto erzählt eine Geschichte. Von Armut und von Traurigkeit im Amerika der 1950er Jahre. Und wir verdanken es Vivian Maier, die es auf einem ihrer zahlreichen Ausflüge in die Slums von Chicago schoss. Auf ihren Fotos erscheint sie selbst manchmal als ein dunkler Schatten am unteren Bildrand so als verfolge sie ihre Fotomotive.

Aus dem Schatten wurde die im Jahre 2009 verstorbene Vivian Maier ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt und ist derzeit in aller Munde. Die mysteriöse Frau mit Hut hat Zeit ihres Lebens so viele Fotos geschossen, dass die Entwicklung der unzähligen Fotofilme Jahre dauerte. Es war reiner Zufall, dass John Maloof eine Kiste mit ihren Fotos auf einer Versteigerung fand und sofort erkannte, welchen Schatz er da vor sich hatte. Der Dokumentarfilm „Finding Vivian Maier“ von John Maloof und Charlie Siskel macht sich auf die Spurensuche dieser tragischen Künstlerin. Darin treibt Maloof vor allem die Frage um, warum Maier so viele Fotos schoss und was sie dazu veranlasste.

Wenn man der Narration des Filmes Glauben schenkt, dann geriet Maier im Laufe ihres Lebens immer tiefer ins Unglück. War die selbst familienlose Frau anfangs noch ganz zufrieden mit ihrem Beruf als Nanny, weil er ihr erlaubte, den ganzen Tag mit den Kindern draußen zu sein und zu fotografieren, fing sie irgendwann an, sich zu verschließen, litt unter psychischen Problemen, wurde gewalttätig gegenüber den Kindern und verbrachte ihre letzten Tage bis zu ihrem Tod einsam und arm auf einer Parkbank.

Welche komplexen Zusammenhänge hinter Maiers Entscheidung steckten, der Welt das eigene Talent vorzuenthalten, kann man nur erahnen. Vielleicht fehlte ihr das Selbstbewusstsein, das jeden Künstler in dem einen oder anderen kritischen Moment ermutigt, die eigene Arbeit zu zeigen. Vielleicht hat sie nicht daran geglaubt, dass sich jemand für ihre Fotos interessieren würde, womit wir wieder beim fehlenden Selbstbewusstsein wären. Vielleicht stimmt es und sie scheute die Aufmerksamkeit, doch wäre sie dann so unglücklich gewesen?

Wir können uns nur vorstellen, wie Vivian Maiers Leben verlaufen wäre, hätte sie andere Künstler kennengelernt. Andere Fotografinnen wie Berenice Abbott oder Lillian Bassman hätten ihre Leidenschaft für Straßenszenen geteilt. Andere Maler und Autoren hätten ihre Lebenserfahrungen mit ihr teilen können und ihr die Sicherheit geben können, dass es viele Gleichgesinnte in New York und Chicago der 50er und 60er gab.

Vor allem zeigt uns „Finding Vivian Maier“, wie wichtig die Förderung künstlerischer Talente ist. Dass wir heute und besonders in den großen Städten wie Berlin ständig auf andere Künstler oder solche, die es werden wollen, treffen, sollte uns nicht Anlass zum Augenverdrehen geben. Wir sollten froh darüber sein, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es möglich ist, sich selbst als Künstler zu bezeichnen, ohne in der Öffentlichkeit zu stehen.

 

//Choleda Jasdany

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