Editor‘s Letter: Take your break.

Editor‘s Letter: Take your break.

Blogger sind gefühlt immer da, ich treibe dieses Spiel bereits seit neun Jahren. Es gab immer mal wieder ruhige Zeiten, Feiertage und Urlaube. Aber so eine lange Pause gab es eben noch nicht. Der Grund dafür war einfach: Ich war absolut ausgepowert, hatte keine Energie, Kraft und Muse mehr mich mit dem Thema Fashion, Beauty & Interior auseinanderzusetzen. Denn in meinem realen Leben fordert ein kleines Energiebündel manchmal Meisterleistungen von mir, meine Familie braucht mich und das in einem Stück, das will heißen, dass mein Gehirn nicht ständig in den Medien hängen kann und auch ganz normale Jobs wollen erledigt werden. Vor fast sechs Wochen stand ich zum ersten Mal an einem Punkt in meinem Leben, wo ich vieles überdenken musste, Zeit brauchte um meine Gedanken neu zu sortieren und ganz einfach eine Pause von dieser so schnelllebigen, oft auch oberflächlichen und verzerrten Welt der Online-Mode-Industrie.

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Bluse Weekday, Brille Weekday, Ohrringe Mango, Jeans Levis Vintage

Als ich noch in der Schule war, gab es diese sagenumwobenen Sommerferien, die Zeit für sich selbst, für Freunde, für Ferien, für lange Abenteuer. Aber seit dem ich die Schule verlassen habe, hatte ich nie wieder so lange am Stück Zeit für mich selbst. Das ist mittlerweile 16 Jahre her. Auch das ist mir an einem Punkt bewusst geworden. Ich mache keine Pausen und das ist mir bitter zum Verhängnis geworden. Niemand kann immer nur powern, online sein, arbeiten, machen und erreichbar sein. Das ist einfach nicht möglich. Aber wie soll das als Selbstständige gehen, der finanzielle Druck ist einfach allgegenwärtig? Das war auch mein größtes Problem in den letzten Jahren. Nur habe ich ganz vergessen in meinem Drang immer „Mehr“ zu wollen, dass ich auf sehr vieles verzichten kann. Dass ich diese vorgegaukelte Luxuswelt gar nicht brauche, dass es befreiend sein kann, mit wenig klarzukommen.  Und so trenne ich mich täglich von Altlasten, verkaufe, verschenke und eliminiere so peu a peu die Angst finanziell nicht klarzukommen. Denn mit einem klaren Verstand kann man deutlich mehr erreichen als mit 15 Luxushandtaschen.

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Mit jedem Tag, den ich nicht stundenlang am Rechner saß oder in den Sozialen Medien abhing, veränderte sich auch meine Wahrnehmung. Ich hatte bessere Laune, der Druck schwand, ich konnte mich besser konzentrieren und viel wichtiger, ich habe im Jetzt gelebt und hatte plötzlich die Zeit mich offline mit Leuten zu treffen und alte Kontakte wieder aufzufrischen, denen ich so lange permanent abgesagt habe.  Ein netter Nebeneffekt war tatsächlich der Zustand der Langeweile, die ich vielleicht auch bewusst, das letzte Mal vor 16 Jahren erlebte. Für mich ist „Weg sein“ oder der Großstadt zu entfliehen und Zeit für mich zu haben mittlerweile der größte Luxus überhaupt geworden.

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In Sachen Job arbeite ich gerade an meiner gelassenen Seite. Jobs werden mir zugesagt, abgesagt, dann wieder zugesagt, das Chaos, welches in der Branche manchmal herrscht, kann man nur mit Ruhe, einem guten Plan und mit einer verbindlichen Auftragsbestätigung bestehen. Früher habe ich eine Absage als eine Art Kritik an meiner Arbeit gesehen, habe mir stundenlang einen Kopf gemacht und hatte unendlich viele Sorgen. Mit etwas Distanz weiß ich mittlerweile, dass es nicht nur mir so geht und das Unternehmen oft sehr undurchsichtige Strukturen und Hierarchien haben, die einen Job manchmal begünstigen können, am anderen Tag wird dieser wieder wegrationalisiert. Es liegt oft nicht an mir, es liegt an den äußeren Umständen.  Ich musste mir auch bewusst machen, dass es viele gute Leute meiner Art gibt. Was macht mich also besonders, wo sind meine ganz eigenen Stärken? Fragen, die ich für mich klären musste und immer noch muss, um wieder mit der nötigen Selbstreflektion und Stärke zu punkten.

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Stichwort: Die Anderen.

Dieses Blog wurde nie hauptberuflich betrieben. Ich habe Metropolitan Circus als mein Hobby begonnen, welches mir in den letzten Jahren unglaublich viele Türen eröffnet hat. Und natürlich schaut man sich andere Magazine und Blogs an, die dies als Haupteinnahmequelle ihres Lebens machen. Ich habe mich nie verglichen, ich habe die Arbeit der Anderen immer akzeptiert und wertgeschätzt. Aber ab einem bestimmten Punkt musste ich das Leben der Anderen aus meinem eigenen verbannen. Denn wenn man unterbewusst immer Bilder und Inhalte anderen konsumiert, projiziert man automatisch andere Meinungen in die eigenen. Deshalb habe ich meinen Feed ausgedünnt, folge nur noch Freunden, Designern und versuche einfach wieder „neue“ Inspirationen zu finden.

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Ich liebe es immer noch zu bloggen, auch wenn dieses Medium als „veraltet“ gilt, ist mir diese tagebuchartige Eintragungsweise und die Tools, die man andocken kann, wie beispielsweise einen eigenen Shop zu haben,  meine ganz persönliche Spielwiese, die ich wie ein neues Wohnzimmer immer besser und schöner machen kann.

Ich freue mich wieder da zu sein und lade euch ein zu lesen, zu stöbern, Kommentare zu hinterlassen und natürlich auch meinen kleinen Shop zu besuchen. Merci.

xxSchlotti

Outfit: Jeans Levis 501 Vintage, Bluse Weekday, Samtjacke Weekday, Pumps Sam Edelman (ähnlich hier), Brille Weekday


Bilder: Steffen Roth




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