Costume Design: LISY CHRISTL hat unzähligen Filmen ein Gewand gegeben

Costume Design: LISY CHRISTL hat unzähligen Filmen ein Gewand gegeben

Die Berlinale hat gerade erst begonnen: 399 Filme aus 71 Ländern warten in diesem Jahr wieder auf ihre Zuschauer und die Besten von ihnen werden, wie bei der Berlinale so üblich, mit einem Goldenen Bären ausgezeichnet. Filme faszinieren uns natürlich nicht nur wegen ihrer Schauspieler und Dramaturgie, eine entscheidende Rolle für Authentizität und Glamour spielt eindeutig  auch das  Kostümdesign. Mit den passenden Outfits und Accessoires können Geschichten nahbarer gemacht werden und ziehen uns beim Betrachten mit hinein in ihren Kosmos. In den nächsten Tagen werden wir euch einige Kostümdesigner/innen vorstellen, die einen großen Anteil am Erfolg ihrer jeweiligen Filme mitgetragen haben. Den Anfang macht die deutsche Kostümbildnerin Lisy Christl.

Schon ihr Name klingt als würde er dem Berlin, der 30er Jahre entstammen. Lisy Christl wohnt aber erst seit 1999 in Berlin, tatsächlich stammt die 1964 geborene Kostümbildnerin aus München, wo sie nach einer Schneiderlehre und anschließender Gesellenzeit an den Münchner Kammerspielen, die Meisterschule für Mode in München besuchte.

Schon seit Beginn ihrer Karriere machte sie Kostüme für namhafte Regisseure wie Joseph Vilsmaier oder Michael Haneke. Mit dem Roland Emmerich Film „ Anonymus“ gelang der 52-jährigen der absolute Durchbruch: Eine Oscar-Nominierung.

2000: "Marlene" von Joseph Vilsmaier


Hat sich Lisy Christl auf eine Epoche spezialisiert, so wie manch‘ anderer ihrer Branchenkollegen?

Wirft man einen Blick auf ihre Filmografie wird schnell klar: ihre Arbeit umfasst ein breites Repertoire. So hat sie nicht nur für historische Filme,  wie ”Marlene" und ”Und keiner weint mir nach" von Joseph Vilsmaier gearbeitet, sondern auch Kinderfilme, wie ”Das Sams" und deutsche Gegenwartsfilme wie "Wolfsburg" und "Erbsen auf halb 6" mit Fritzi Haberland ausgestattet. Florian Gallenbergers Film: "Schatten der Zeit", der im Indien der 40er Jahre spielt, bringt ihr 2006 eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis ein, bei der es nicht bleiben soll. Die Königsnominierung unter den Filmpreisen erhält sie 2012: Ihre prachtvollen Kostüme der internationalen, im elisabethanischen Zeitalter spielenden Produktion "Anonymous" von Roland Emmerich sind für den Oscar nominiert. Leider erhält sie diesen Preis nicht, als kleiner Trost winkt dafür aber der zweite Deutsche Filmpreis für "Anonymous".

Den Ersten erhielt sie für das Drama "John Rabe”, das im China von 1937 spielt und auf einer wahren Geschichte beruht.

 

2009: "John Rabe” von Florian Gallenberger 

Doch wie geht man eigentlich vor, wenn man den Auftrag bekommt einen Film auszustatten?

In einem Interview sagte Lisy Christl hierzu: "Die Recherche ist mit das Schönste an meinem Job". Sie sprach weiterhin davon, dass sie für das aufwendige Epos "Anonymous" die Freiheit hatte, Stoffe und Spitze in ganz Europa zu kaufen und ein wahnsinnig umfangreiches Team an ihrer Seite hatte, was im Vergleich zu ihren anderen Produktionen ein wunderschöner Umstand gewesen sein muss. Denn Filme wie John Rabe sind im Vergleich zu einer Emmerich-Produktion eher als low-budget anzusehen.

Egal, ob sie für eine Produktion drei Wochen Zeit hat oder neun Monate recherchieren darf, Lisy Christl nimmt diese Zeit sehr ernst und plant im Vorfeld ganz akribisch an riesigen Stellwänden. Als Kostümbildnerin werden die Stimmungen und Ideen noch ganz analog in Collagen verarbeitet. Erst sehr viel später, kommen die Kleidungsstücke der Schauspieler hinzu.

Denn letztendlich ist es egal, ob im Film oder im wahren Leben: “Kleidungsstücke sind mehr Statement als uns bewusst ist”.

2011: "Anonymus" von Roland Emmerich


Bilder via Pinterest, IMDb



Outfit: Berlin Winter Blues

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DIE BERLINALE 2017 -  eröffnet mit der Weltpremiere von “DJANGO”

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