Books: Stilvoll by Marlene Sørensen: „Stil definiert sich mehr über eine Haltung als über einen vollen Kleiderschrank“

Books: Stilvoll by Marlene Sørensen: „Stil definiert sich mehr über eine Haltung als über einen vollen Kleiderschrank“

Marlene Sørensen arbeitet seit Jahren in einer Branche, die sich mit Schönheit, Stil und dem feinen Lifestyle auseinandersetzt. Sie schreibt als Mode- und Stiljournalistin zum Beispiel für die Süddeutsche Zeitung, ZEIT Magazin, Gala oder BRIGITTE. Sollte dann noch ein Themenfeld aus dem Sujet Mode unbearbeitet bleiben, verarbeitet sie es in ihrem persönlichen Blog spruced. Trotz der unzähligen Erfahrungen und Stories, die sich in ihrer langjährigen Karriere bisher erlebt hat, musste man die 34-Jährige Frau Sørensen erst einmal dazu bitten ein Buch zu schreiben.  Sie wäre nämlich niemals allein darauf gekommen. Aber das erzählt sie uns gleich:


Marlene Sørensen

Marlene Sørensen


MC: Liebe Marlene, Herzlichen Glückwunsch zu deinem tollen Buch. Wie bist du auf die Idee gekommen dieses Buch zu schreiben?

Danke! Letztes Jahr wurde ich von einem Verlag gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ein Buch über Mode zu schreiben – Thema offen. Ich erzähle das deshalb, weil ich tatsächlich erst gefragt werden musste, um auf die Idee zu kommen, dass ich ein Buch schreiben könnte. Dann kam ich ziemlich schnell darauf, den „perfekten“ Kleiderschrank anhand von Frauen und ihrer persönlichen Stilgeschichten vorzustellen, aber auch anhand meiner eigenen Entwicklung und aller Fehlkäufe, die dazu gehören. Als ich etwa zur Hälfte fertig war, entschied der Verlag, dass dieses Konzept doch nicht ins Programm passen würde. Das erzähle ich wiederum deshalb, weil es mir dann doch etwas anders vorgestellt hatte, ein Buch zu schreiben. Ich war aber schon so weit gekommen und, nach kurzem, heftigen Zweifeln, auch überzeugt davon, dass dieses Buch, so wie ich es sah, gut und richtig werden würde. Also habe ich meinen Mut zusammengenommen und andere Verlage mit dem schon fertigen Material angeschrieben. Callwey hat gleich verstanden, was ich vorhatte, und zugesagt. Ein Glück! Denn der Verlag hat mindestens so viel Aufwand reingesteckt wie ich. 

Klein & edel: Perlen

Klein & edel: Perlen

MC: Stil ist immer eine sehr umstrittene Angelegenheit. Was macht Stil für dich aus?

Eine selbstbewusste Ausstrahlung. Das klingt vermutlich vage, aber ich glaube wirklich, dass sich Stil mehr über eine Haltung zeigt als über einen Kleiderschrank voller Klamotten. Wenn man sich selbst schön fühlt, strahlt man das nach außen aus. Es ist aber auch die Art, wie jemand einen Hut trägt, ein Hemd knöpft, einen Mantel gürtet. Kleine Details, die sehr persönlich sind. Deshalb wollte ich in dem Buch auch Teile vorstellen, die sich jeder zu eigen machen kann. Und über die man nicht lang nachdenken muss. Stil macht für mich auch aus, dass man sich über Kleidung nicht ewig den Kopf zerbricht.  

MC:  Du hast in diesem Buch sehr unterschiedliche Frauen gewählt, die alle für eine Besonderheit im Kleiderschrank stehen. Wie hast du deine Wahl getroffen?

Stimmt, sie sind alle sehr verschieden, aber für mich haben sie doch eine große Gemeinsamkeit: Sie wirken nicht verkleidet und auf mich dadurch sehr inspirierend. Es sind alles Frauen, die ich schon vor dem Buch ständig fragte oder unbedingt mal fragen wollte: Wie findest Du bloß immer diese tollen Dinge, die ich auch sofort anziehen möchte? 

Claire Beermann

Claire Beermann

MC: Gab es eine Aussage oder einen Look, der dir beim Schreiben besonders gefallen hat?

Ich liebe die Geschichte mit Claire Beermann, weil sie aus einem so schlichten Teil wie dem Herrenhemd immer wieder einen neuen Look macht. Und ich mag besonders, wie Aino Laberenz über Stil denkt: „Ich denke manchmal, dass ich meinen Stil noch gar nicht gefunden habe. Und eigentlich finde ich das schön. Es birgt die Chance, sich immer wieder neu zu entscheiden.“   

Claire Beermann stylt ein Herrenhemd

Claire Beermann stylt ein Herrenhemd

MC: In den letzten Jahren sind ganz unterschiedliche Stilbibeln auf den Markt gekommen. Was unterscheidet „Stilvoll“ von anderen Moderatgebern?

Komisch, ich habe so lange mit dem Buch verbracht, dass es mir jetzt schwerfällt, es zu beschreiben. Ich wollte zumindest so über Mode schreiben, wie ich darüber rede: Mit großer Zuneigung, aber auch mit Humor und Selbstironie. Was ich nicht wollte: eine 180-seitige Einkaufsliste verfassen. Und das unterscheidet „Stilvoll“ vielleicht von anderen Ratgebern. Bevor das Buch in Druck ging, habe ich es ein paar Kollegen gegeben und was meine Freundin Julia Werner von Glamour dazu geschrieben hat, mag ich sehr: „Der erste gar nicht langweilige Stilratgeber. Also für alle, die eigentlich keine Modebücher mehr kaufen, weil sie die ewige „investier' am besten in die Klassiker“-Leier auch nicht weitergebracht hat. Warum zum Beispiel Fehlkäufe genauso essenziell im Kleiderschrank sind wie das perfekte T-Shirt, das muss man nämlich unbedingt wissen, um wirklich gut angezogen zu sein.“

MC:  Was hast du während des Schreibens und Recherchierens über Stil gelernt?

Man hat nie das Gefühl, fertig zu sein. Weder beim Schreiben. Noch mit der Garderobe. Aber auch, dass es vielleicht gar nicht um Vollständigkeit geht, jedenfalls nicht in der Garderobe, sondern um eine Lust auf Mode und alles, was sie mit einem anstellen kann, einen stolzer, unerschütterlicher, schöner machen.

MC: Die Modelandschaft in Deutschland ist sehr eigen. Was würdest du deutschen Frauen in Sachen Stil mit auf den Weg geben?

Das, was die Stylistin Leena Zimmermann so gut in „Stilvoll“ gesagt hat: „Falls ich etwas raten kann: nicht hinterfragen, anziehen. Oft fehlt zu einem Outfit nur ein wenig Mut. Sobald man es trägt, ist es nicht mehr ungewohnt und man wird sich daran erfreuen. Mode ist einfach etwas so Schönes."

MC: Vielen Dank für deine Zeit Marlene. 

Aino Laberenz

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Ariane Stippa

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