Blasy – das Leben ist ein weites Feld

Blasy – das Leben ist ein weites Feld

Ein Tuch, ein Foulard, ein Carré, ein Schal – Es gibt viele Begriffe für ein verziertes Stück Stoff und genauso viele Varianten gibt es, so ein Tuch zu tragen. Vor einigen Monaten haben wir euch bereits ein paar Tragemöglichkeiten vorgestellt. Heute allerdings wollen wir euch eine Frau und ihre Designs vorstellen, die sich genau diesem Thema verschrieben hat. Frauke Blasy hat das gleichnamige Tuchlabel blasy gegründet.

In unserem angrenzenden Editorial haben wir die aktuellen Designs von Blasy gestylt. Aufgefallen ist: Das Tuch ist so vielseitig und kann einen ganzen Look bestimmen. Natürlich lässt sich ein Schal easy als Schal tragen, aber manchmal will man ein so besonderes Tuch nicht in dicken Mänteln untergehen lassen. Ganz im Gegenteil, das Tuch soll Star eines ganzen Outfits werden.

Wie Frauke auf die Idee kam, Tücher zu designen und was es eigentlich mit der Marke auf sich hat, erfahrt ihr im nachfolgenden Interview:


blasy Tuch Cuzco

MC: Wie bist du auf die Idee gekommen ein Label zu gründen?

FB: Es war Zeit für einen Neuanfang!

Nach der Geburt meines Sohnes musste ich feststellen, dass meine Arbeit als angestellte Architektin kontra Kinderbetreuung zunehmend in einen Zustand der permanenten Atemlosigkeit mündete. Die Suche nach einer Tätigkeit, bei der ich sowohl meine Architektenseite, als auch meine private Leidenschaft (Reisen, Kunst, Textiles) bei freier Zeiteinteilung realisieren konnte, führte zwangsläufig zur Gründung meines Labels „blasy“.

MC: Was macht deine Tücher so einzigartig?

FB: Das Gesamtpaket- Die Kombination aus Entwurf, Farbe und Stoff.

Ich lasse ausschließlich in Europa (D, I, CH) fertigen, im Gegensatz zu 90% aller Tuchlabels (auch sehr namhafter Highfashionproduzenten). Nur so habe ich 100% Kontrolle über die Herstellungsbedingungen meines Produktes, vom Entwurf bis zum fertigen Tuch. Meine Entwürfe werden in verhältnismäßig kleinen Stückzahlen produziert, so kann ich die Qualität der Verarbeitung und der verwendeten Materialien persönlich garantieren.

Mein Design hebt sich zudem von tradierten Musterkombinationen ab und jedes Tuchdessin hat seine eigene, unverwechselbare Geschichte.

blasy Tuch Cuzco

MC: Woher kommen hauptsächlich deine Inspirationen ?

FB: Platt gesagt: aus dem Leben – es ist ein weites Feld. Natürlich habe ich als Architektin eine besondere Sensibilität für Architektur und Gebautes im weitesten Sinn. Aber auch landschaftliche/geologische Formationen, biologische Strukturen, Licht- und Schattenspiele auf Wänden oder am Boden sowie Ausschnitte von Gemälden inspirieren mich.

MC: Wie werden deine Designs hergestellt?

FB: Die Stoffe kommen aus Italien und ich lasse sie auch dort bedrucken. Je nach Tuch/Entwurf werden die Tücher im klassischen Siebdruck oder auch im Digitaldruck geprinted. Je nach Stoff und Tuchgröße werden die Tücher zu guter letzt maschinell konfektioniert oder von Hand rouliert.

blasy Tuch Kaikado

MC: Hast du Vorbilder im Design?

FB: Ich bewundere einige Tuchmacherinnen aus der Schweiz, weil sie in meinen Augen ein unverwechselbares Gespür für Farbe und Material haben und vollkommen unabhängig von tagesaktuellen Trends ihr Ding machen.

Und ich bin immer noch verliebt in die atemberaubenden Entwürfe Kenzos von den 70er bis in die 90er Jahre und die „more is more“ - Attitüde Dries van Notens. Die überwältigende Fülle von Farbe/Material/Textur und Muster beider Designer bewundere ich sehr.

MC: Orientierst du dich an der aktuellen Mode?

FB: Nein. In der Mustergestaltung und in der Themensetzung für jede Kollektion agiere ich völlig frei. Allerdings versuche ich schon aktuelle Farbtrends in meinen Kollektionen zu berücksichtigen.

blasy Tuch Cuzco

MC: In welchem Kontext siehst du deine Marke?

 FB: Ich sehe meine Marke in einem internationalen Kontext, d.h. meine Tücher spiegeln die Reisen an die jeweiligen Ort wider, welche jedes Jahr mit Ihrem Namen Pate stehen. Ob das nun die Stadtmauer in Cuzco/Peru oder der Himmel über Reykjavik ist.

Ich produziere ein Nischenprodukt . Ich hole die Kundin ab, die das Besondere sucht und so unabhängig ist, dass sie sich von den kurzlebigen Trends, die alljährlich ausgerufen werden, ganz entspannt absetzt.

Ich habe ein klares Bild von meiner Kundin. Sie ist gestaltungsaffin und an guter Qualität interessiert – das betrifft alle ihre Lebensbereiche. Sie ist klar im Stil und hat Freude daran ihr Umfeld und sich selbst schön zu gestalten. Und sie ist interessiert an der Geschichte des Tuches, dass sie trägt.

Katzen und Blumenmuster oder Pferde wirst Du vergeblich bei mir suchen.

Das zeigt aber auch, dass ich meine Marke/mein Design auch als disziplinübergreifend verstehe, denn ich bediene auf eine gewisse Weise die Schnittstelle zwischen Fashion und Architektur. Ich kann mir sehr wohl eine Erweiterung meiner Dessins in den Interiorbereich (Kissen, Decken, Tapeten) vorstellen.

MC: Gab es bereits Kooperationen? Mit welchem Brand könntest du dir vorstellen zusammen zu arbeiten?

FB: Nein. Ein Fashionbrand zu nennen, mit dem ich gerne zusammenarbeiten würde, fällt mir wirklich schwer. Vielleicht Brands, die vor allem durch eine gewisse Zurückhaltung in der Musterwahl herausstechen und ein Tuch als Accessoire oder ein gemusterter Part an einer schlichten Jacke deswegen besonders zur Geltung kämen? Da fielen mir spontan Jil Sander, Céline und COS ein. Die Zusammenarbeit mit einem Möbelhersteller wie hay fände ich ausgesprochen reizvoll. Aber auch die Gestaltung einer exklusiven Kollektion für einen meiner Ladenkunden fände ich sehr spannend.

MC: An was arbeitest du gerade?

FB: Meine neue Kollektion „Island“ habe ich eben im Studio geshooted. Nun bin ich im Wesentlichen damit beschäftigt, Tonnen von Bildmaterial zu sichten und zu selektieren und mit Grafikerin, Postproduktionerin und Webdesignerin sowohl für das Lookbook und meine Page das Layout zu überarbeiten und den neuen Look festzulegen. Parallel dazu läuft die Vorbereitung für einige Messen, die ich vor Weihnachten besuchen werde. Die Vorweihnachtszeit ist ja die eigentliche Highseason für einen Tuchdesigner.

blasy Tuch Cuzco

MC: Wie sieht dein Alltag als Designerin aus?

FB: Das kommt immer auf die Phase an, in der sich meine Kollektion gerade befindet.

In der Gestaltungs- und Recherchephase gehe ich tagelang durch meine Reisenotizen, die ich mit einem kleinen Notizblock oder einer Kamera festhalte. Ich blättere in Büchern zum jeweiligen Thema. Das ist ein immer tieferes Eintauchen in eine andere Welt auf der Suche nach dem Kern, der Essenz. 

Der anschließende Entwurfsprozess dauert dann ca. 2-3 Monate. Mehr Zeit ist dafür leider häufig nicht, denn in der Zwischenzeit besuche ich auf Stoffmessen, verhandele mit Druckereien, denn das Tuch und die Druckkosten sind nur ein Teil einer Gesamtkalkulation für das komplette Jahr. Kurz vorm Andruck der Muster kommt dann verlässlich das Gefühl nicht fertig zu sein. Der Zweifel, ob Muster/Material/ und Farbwahl stimmig sind und auch Abnehmer finden werden ist allgegenwärtig. Deswegen ist der spannendste Moment immer der, wenn ich die Andrucke und Farbmuster endlich in den Händen halte und dann direkt überprüfen kann, ob meine Idee aufgegangen ist.

Sobald die Produktion losgeht, fahre ich nach Italien, um die Zwischenschritte im Produktionsprozess life zu verfolgen. Parallel recherchiere ich Geschäfte, zu denen mein Tücher passen könnten; endlose Telefonate zur Akquise, das Präsentieren in Geschäften und auf Messen, natürlich müssen auch die Kaufordern abgearbeitet werden. Nebenbei gilt es den Blog/Newsletter auf der Seite aktuell zu gestalten, Bilder auf Instagram zu posten und mit meiner PR-Frau die nächsten Schritte zu besprechen.

Während dieser Prozesse schwimmen aber auch schon Ideen für die nächste Kollektion durch meinen Kopf. Ich verbringe relativ wenig Zeit mir die Konkurrenz oder Modezeitschriften durchzublättern. Ich versuche meinen Kopf frei zu halten, um meine Gedanken, Gefühle und Interpretationen zu einem Thema unvoreingenommen umzusetzen.

Bei all dem auch noch die Familie zu managen, ist zugegebenermaßen der anstrengendste Teil meines Designerlebens. Irgendetwas oder irgendjemand bleibt immer irgendwie auf der Strecke.  

Eigentlich ist fast noch weniger Zeit als vor Gründung meines eigenen labels, aber es ist alles viel schöner!

MC: Was wünschst du dir für blasy?

FB: Das sie international getragen wird.

MC: Herzlichen Dank.



Trendfarben 2017 - Pantone 17-2034 Pink Yarrow

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EDITEDxMALAIKARAISS - die Schmuckkollektion

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