Beauty: Reinheit und Schlichtheit

Beauty: Reinheit und Schlichtheit

Oft benutzen wir Beautyprodukte ohne wirklich zu wissen was sie beinhalten. Die Werbung suggeriert uns Jugendlichkeit und utopische Ergebnisse, die die Kosmetik wahrscheinlich niemals erfüllen kann. Selbst mit dicken Aufschriften wie „Aluminiumfrei“ denken wir unser Gewissen zu beruhigen. Aber selbst in vermeintlich „guter Kosmetik“ stecken immer noch hunderte von Inhaltsstoffen, die wir nur mit Mühe filtern und analysieren können.

Claire Ralston arbeitete schon sehr früh in der Beautyindustrie, mit 15 Jahren war sie als Model in Australien und später für Magazine und die Schönheitsindustrie tätig. Heute - knappe 10 Jahre später - gründete sie MERME. Eine Beautylinie mit sehr überschaubaren Inhaltsstoffen -  nämlich jeweils nur einem einzigen. Sie sagt selbst, dass dies der einzige Weg wäre, die Kontrolle über die Bestandteile von Produkten des täglichen Gebrauchs zu überschauen. Wir haben Claire, die am Australian College of Natural Beauty ihre Basics zum Thema Naturkosmetik gelernt hat,  in Berlin getroffen und aus einem kurzen Interview-Termin ist ein ganzer Vormittag geworden. Claire ist mit MERME eine reine One – Woman - Show; die inspirierende Frau hat in weniger als einem Jahr ihre noch kleine Beauty-Marke selbst auf die Beine gestellt. Da mussten wir unbedingt nachfragen:

Claire Ralston by Steffen Roth

Claire Ralston by Steffen Roth

MC: Hallo Claire, du machst Beauty-Öle auf der Basis von nur einem einzigen Wirkstoff. Wie bist du auf die Idee gekommen Beauty-Öle selbst herzustellen?

CR: MERME war eigentlich der Name meiner Großmutter. Sie lebte in Australien in sehr ländlichen Gefilden. Alles, was sie zum Leben brauchte, hat sie selbst hergestellt oder geerntet. Als ich noch sehr jung war, hat sie immer meinen Sonnenbrand oder meine Pickel mit Sachen aus dem Garten behandelt. Und heute frage ich mich immer wieder, wenn ich einmal nicht weiß, welches Produkt ich benutzen soll oder wenn es um Fragen der Ernährung geht: Was würde Merme machen?

Ich bin auf die Idee gekommen, Produkte mit nur einem Wirkstoff zu lancieren, weil ich in der Vergangenheit auf viele Kosmetika oft allergisch reagiert habe. Ich konnte einfach nicht ausmachen, welcher Wirkstoff es war, obwohl ich einiges probiert habe – natürlich auch nachhaltige Produkte. Irgendwann habe ich realisiert, dass man tatsächlich nur einen einzigen, aber dafür sehr guten Wirkstoff in seiner natürlichen Form benötigt, um das Problem zu beheben. 

MC: Für welche Hauttypen sind die Öle gemacht?

CR: Jeder kann sie benutzen und sie sind sehr wirksam. Das größte Problem war für mich allerdings, die passenden Hersteller zu finden, denen man zu 100% vertrauen kann. Die MERME Öle werden nur mit natürlichen Pflanzenölen nach den Europäischen, Amerikanischen und Deutschen Standards abgefüllt. Zudem sind sie vegan und mit einem Ökologischen Siegel versehen.

MERME by Steffen Roth

MERME by Steffen Roth

MC: Du sagst selbst: “ Sogar die als natürlich ausgeschriebenen Gesichts- und Haarpflegeprodukte sind voll von Chemikalien.“ Wie hat sich diese Erkenntnis bei dir manifestiert? Hattest du Probleme mit deiner Haut?

CR: Absolut! Selbst die als „Clean and Clear“ ausgeschriebenen Produkte beinhalten Alkohol, Silikone, Parabene, Duftstoffe ohne Ende und Auffüller. Das ist so verrückt, wenn man nur mal die Inhaltsstoffe auf der Rückseite der Produkte studiert. Zum Beispiel bezweifle ich, dass das Argan- Öl aus der Drogerie auch nur annähernd mit dem MERME Revitalising Hair Treatment vergleichbar ist. Denn bei MERME verwenden wir nur ein 100% ökologisches, zertifiziertes, unverarbeitetes Argan-Öl.

 Claire Ralston, Gründerin von Merme, fotografiert am 16.03.2017 in ihrem Büro in Berlin-Mitte. Foto: Steffen Roth

MC: Die Produkte sind frei von jeglichen Chemikalien, wie übt sich das auf die Haltbarkeit der Öle aus? 

CR: Das ist eine gute Frage. Ich vergleiche die Produkte gern mit Lebensmitteln, weil alles, was gesund ist auch nicht ewig haltbar ist. Die Öle sind ausnahmslos alle unverarbeitet und natürlich, sprich, es wird wirklich nichts hinzugegeben, was sie länger haltbar macht. Das heißt, MERME Produkte sind circa zwischen 8 und 12 Monaten haltbar. Ich empfehle sie trotzdem in einer Zeit vom maximal 6 Monaten zu verbrauchen, damit man ihre vollständige Wirkung auskosten kann. Außerdem sollten sie dunkel und kühl gelagert werden, um immer absolut frisch zu sein.

Merme Berlin Produktpalette

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MC: Wie lange hat die Entwicklung und die Testphase von MERME  gedauert?  Gab es in dieser Zeit auch mal Rückschläge?

CR: Ich denke grob geschätzt hat mich die Testphase jeweils circa 3 - 4 Monate gekostet. Ich arbeite gerade an einem neuen Produkt und hier wird es ein wenig länger dauern. Man kann das zeitliche Pensum gar nicht festmachen, weil man von den einzelnen Wirkstoffen abhängig ist und diese müssen nun mal absolut passen, bevor man sie verkauft. Ich will ebenso auch gewährleisten können, dass die Öle genau den Zweck erfüllen, für den sie angeboten werden. Deshalb suche ich regelmäßig den Kontakt zu Kollegen und Fachleuten, um einfach Feedback und Meinungen einzuholen.

In so einem Prozess gibt es natürlich auch Rückschläge. Beispielsweise als ich gerade das Facial Beauty Elexir gelauncht habe, fanden die Kunden den Geruch nicht sonderlich ansprechend. Aber dazu kann ich nur sagen, dass es sich um ein natürliches Produkt mit einem Eigengeruch handelt. Im Endeffekt verfliegt der Geruch sehr schnell und wenn man erst mal den Effekt spürt, ist der Geruch Nebensache. 

 Claire Ralston, Gründerin von Merme, fotografiert am 16.03.2017 in ihrem Büro in Berlin-Mitte. Foto: Steffen Roth

MC: Du arbeitest von zu Hause aus und füllst die Öle noch selbst von Hand ab. Wie kann man sich das vorstellen? Arbeitest du mit unzähligen Reagenzgläsern? Da spielen ja auch hygienische Faktoren eine entscheidende Rolle?

CR: Oh ja, arbeiten von zu Hause ist echt eine Herausforderung. Es erfordert doppelt Disziplin, zum einen Einen dem selbstauferlegten Druck standzuhalten und seinen Tag so zu gestalten, dass man effizient arbeitet und gleichzeitig kreative Pausen einlegt. Deshalb versuche ich auch immer meine Meetings in die Büros der anderen zu verlegen (lacht) oder ich hänge in Cafés rum. Oh Gott, dass mache ich viel zu oft. Aber ich fühle mich in so einer Umgebung als hätte ich Kollegen um mich herum, ich glaube darunter bin ich wohl die Einzige, die nicht programmiert. Das ist so typisch in Berlin, alle sitzen an ihren Rechnern in Cafés und trinken Cappuccino. Trotzdem denke ich, dass dieser Berliner Start Up Hype auch irgendwie romantisch ist, es fühlt sich für mich auf jeden Fall so an. Irgendwie bin ich auch Teil dieser Community.

Um auf MERME zurückzukommen: Alles von der Idee, über die Entwicklung bis hin zum Abfüllen der Flaschen mache ich bisher noch selbst. Indem ich die Flachen selbst befülle, habe ich auch die Kontrolle über das Produkt. Ich muss ganz genau wissen und kontrollieren was in die Flaschen gefüllt wird und wie sie gereinigt wurden.

Gerade weil das Produkt frei von Chemikalien ist, muss auch die Reinigung der Flaschen auf besondere Weise erfolgen. Bei allen Prozessen habe ich eine ganz eigene Routine entwickelt, die sicherstellt, dass alles hygienisch rein ist. Der Tag an dem ich offiziell als Australierin ein deutscher „Kosmetikhersteller“ wurde, war für mich so als hätte ich meinen Schulabschluss noch einmal gemacht. (lacht)

In dieser ganzen Zeit habe ich so viel gelernt; über das Produkt, über mich, über Zeit. Mit jedem Tag MERME, liebe ich die Öle mehr und mehr. Rückblickend habe ich heute das Gefühl, dass ich mittlerweile alles stemmen könnte.

 Claire Ralston, Gründerin von Merme, fotografiert am 16.03.2017 in ihrem Büro in Berlin-Mitte. Foto: Steffen Roth
 Claire Ralston, Gründerin von Merme, fotografiert am 16.03.2017 in ihrem Büro in Berlin-Mitte. Foto: Steffen Roth

MC: Du hast zum Launch deiner Marke gesagt: „Die deutsche Mentalität hat mir beigebracht, dass es besser ist, ein Produkt mit hoher Qualität zu haben, als fünf mit schlechterer.“ Wie wirst du jetzt mit deinen Produkten weitermachen?

CR: Ja das stimmt. Das ist auch richtig. Ich plane gerade ein sehr wirksames eye treatment. (Anm. d. Red.: ist bereits erschienen)

Manchmal liebe ich es, einen Schritt zurück zu machen und zu realisieren mit welchen effektiven Ölen man eigentlich arbeiten kann. Es gibt in der Natur so viele Pflanzen, denen sehr kraftvolle Eigenschaften nachgesagt werden. Davon wissen wir oft noch gar nichts. Das Schöne an meiner Arbeit ist, dass ich so viel über die Macht von Ölen lernen kann, von ihrer Herkunft und der Anwendung an sich.

Darüberhinaus liebe ich die Einstellung der Deutschen, sie kaufen und konsumieren wirklich nur im kleinen Rahmen und nur das, was sie wirklich brauchen oder gut finden. Diese Einstellung unterscheidet sich maßgeblich von der, der Australierinnen oder Amerikanerinnen.

 Claire Ralston, Gründerin von Merme, fotografiert am 16.03.2017 in ihrem Büro in Berlin-Mitte. Foto: Steffen Roth

MC: Frei von Chemikalien, die Kontrolle über Inhaltsstoffe und das Leben bewusster wahrzunehmen sind ja keine deutschen Wertvorstellungen. Überall auf der Welt wollen Frauen wissen, was in den Produkten enthalten ist, die sie stetig konsumieren.  Hinter den Produkten steckt auch eine Ideologie. Lebst du diese auch privat?

CR: Das stimmt, es ist mittlerweile auch eine globale Bewegung geworden. Aber auch hier muss ich gestehen, finde ich die deutsche Einstellung sehr gut. Beispielsweise ist Deutschland die führende Nation bei den Themen erneuerbare Energien und Tierschutz. Genauso in Sachen Recycling und Pfand, das wird hier in Deutschland als absolut normal empfunden, in anderen Ländern ist es das aber nicht. Das finde ich sehr einzigartig in der Welt.

Nachhaltiges Leben ist auch für mich ein stetiger Prozess, obwohl ich schon sehr viel umgestellt habe. In den letzten Jahren war ich strenge Veganerin, heute sehe ich das etwas entspannter und esse ab und zu auch mal Käse oder Joghurt.

Das nächste persönliche Projekt, welches ich angehen möchte, ist das Thema Fast Fashion. Ich möchte versuchen jedes dritte Teil, welches ich konsumiere von einem nachhaltigen Brand zu kaufen. Ich denke realistisch ist es nicht möglich alles sofort zu ändern, sondern eher schrittweise die Themen anzugehen. In meinem Fall ist das wohl die Kosmetik.

 Claire Ralston, Gründerin von Merme, fotografiert am 16.03.2017 in ihrem Büro in Berlin-Mitte. Foto: Steffen Roth

MC: Das Thema Homework: Wie fühlt es sich für dich an, ein Unternehmen von zu Hause aufzubauen?

CR: Am Anfang hat man einfach keine Guideline. Das ist rückblickend wohl der härteste Part überhaupt. Ich weiß, dass man oft von einem Klischee spricht, wenn man sagt, dass wenn man an einem Herzensprojekt arbeitet, es sich dann weniger nach Arbeit anfühlt. Aber so ist es in meinem Fall.

MC: Welche Vor- und Nachteile bringt dir das?

CR: Am Anfang waren die Entscheidungen etwas einfacher als heute. Man konnte schneller jemanden zu dem Projekt befragen. Heute ist MERME bereits „fertig“. Wenn ich jetzt vor einem Problem stehe, muss ich direkt einen Experten heranziehen. Um aber langfristig MERME voranzubringen, bin ich gerade dabei ein Team auf die Beine zu stellen. Darauf bin ich sehr gespannt.

MC: Wie wird es zukünftig weitergehen?

CR: Ich möchte natürlich mit meiner Marke größer werden. Ich plane neue Produkte auf den zu Markt bringen und organisch zu wachsen. MERME ist eine Brand für die gesamte Familie, ich wünsche mir, dass genau das auch erkannt wird. Denn egal wie unterschiedlich Texturen oder Gerüche auch sein sollten, sie sind absolut natürlich und bringen uns wieder zum Ursprung zurück.

MC: Vielen Dank Claire.



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