Sara Viola Gerdes // freie Marketing Managerin und war verantwortlich für Idee und Umsetzung der erfolgreichen Kooperation zwischen Malaika Raiss und brands4friends – We support Young Designers.

Jede, wirklich jede Saison fiebere ich der Berlin Fashion Week entgegen und freue mich auf neue Inspirationen, tolle Gespräche, faszinierende Persönlichkeiten und WOW-Momente. Leider bin ich am Ende der Modewochen jedoch immer wieder enttäuscht, dass die inspirierenden Momente nur so rar ausgefallen sind. Natürlich gehe ich mit viel Anspruch an die Sache ran aber ohne Anspruch kann sich eben auch nichts entwickeln.

Eindeutig gab es auch diese Saison wieder fantastische, qualitativ hochwertige Schauen, wie von Achtland, Malaika Raiss, Augustin Teboul und Dawid Tomaszewski. Aber auch hier wird ganz deutlich zu viel auf die Tragbarkeit geachtet und vorsichtig an extravagante Entwürfe gegangen.
Was auf der anderen Seite aber auch mehr als verständlich ist. Viele der talentiertesten Jungdesigner knapsen sich den letzten Euro aus der Tasche, um den Slot von mehreren tausenden von Euro während der Berlin Fashion Week überhaupt bezahlen zu können, meist durch Nebenjobs zusammengespart – Und so darf es einfach nicht sein:

Wahnsinnig viel kreatives Potenzial geht dabei verloren, denn keiner hat die Kraft diesen Prozess zweimal im Jahr über mehrere Jahre durchzuhalten. Kollektionen entwerfen, Kollektionen umsetzen, ausliefern, ein Unternehmen führen, sich um Buchhaltung, Personal, Design und Finanzierung parallel kümmern und obendrauf noch dreimal die Woche woanders arbeiten. Ganz klar spielt da der Gedanke der Massentauglichkeit der eigenen Kollektion eine dominante Rolle.

Bis heute kann ich nicht verstehen, dass hier nicht mehr getan wird. Es gibt zu viele einflussreiche Personen in der deutschen Modebranche, die ohne Probleme einen, wie in den USA und Groß-Britannien gegründeten Fashion Council ins Leben rufen könnten. P&C versucht etwas ähnliches mit seinem Programm Designer for Tomorrow bereits, konzentriert sich dabei aber zu stark auf den internationalen Markt. Die Premium Modemesse mit ihrem Young Designer Award versucht etwas ähnliches aber hier fehlt die nachhaltige Unterstützung der Gewinner. Ohne Frage ist es gut, dass wenigstens ein paar Unternehmer an der Sache arbeiten. Außerdem können wir auch hier nicht verlangen, dass diese Unternehmen neben ihrer eigentlichen Tätigkeit sich voll und ganz der Modeförderung verschreiben. Aber wenigstens an einen Tisch könnten sie sich setzen und den ersten Anstoß für Größeres geben.

Leider fällt auch dabei kein gutes Licht auf die IMG, die jede Saison Sponsoren in ihr Zelt am Bebelplatz holt, von denen die Jungdesigner nicht einen Hauch profitieren und über deren visuellen Auftritt im Zelt wir doch immer wieder die Stirn kräuseln. Liebe Sponsoren, wenn ihr schon da seid, dann doch bitte aber auch konsequent.

Ich bin gespannt, was sich in den nächsten Saisons ändern wird und verliere nicht meinen Glauben an die deutschen Kreativen und die Geschäftsleute. Beide Seiten können so viel mehr. Nur trauen müssen sie sich. Das Potential ist da.

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 Nike van Dinther // Founder & Editor This is Jane Wayne

So langsam aber sicher gehen mir die Vergleiche, oder eher Nicht-Vergleiche der Berliner Fashion Week mit Paris und Co. auf die Nerven. Berlin wird nie Paris sein, zum Glück. Wieso konzentriert man sich sich nicht auf die Alleinstellungsmerkmale, auf die Besonderheiten unserer eigenen Modewoche und fördert sie? Immer, wenn wir versuchen, wie jemand anders zu sein, statt einfach wir selbst, geht’s in die Hose. So ist das auch bei der Fashion Week.

 

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Daniel Blechman // Designer SOPOPULAR

Der Markt in Berlin für Damenmode ist unglaublich übersättigt. Das Problem in Berlin ist, dass die Fashion Week langsam an Qualität verliert. Es geht ja eigentlich um die Klamotten und dieser Fakt tritt immer weiter in den Hintergrund. Es sollte nicht darum gehen, welcher Promi bei der Show in der ersten Reihe sitzt, wieviel in eine Inszenierung gesteckt wird oder wie viele internationale Stars anwesend sind. Es sollte um die Mode gehen! Diese Entwicklung finde ich super schade.

Ich persönlich muss nicht auf jedem roten Teppich sein, mich muss auch nicht jeder kennen, es geht um meine Klamotten. Ich bin der Designer des Labels und kein Promi. Und das ist in Berlin leider sehr anstrengend.

An und für sich nehme ich die Woche überhaupt nicht wahr, ich bin da total bei mir und gucke mir keine Shows der anderen Designer an. Ich muss mich für meine Arbeit ganz auf mich fokussieren und habe auch in dieser Woche wichtige Einladungen ausgeschlagen. Auch wenn ich damit einige Leuten vor den Kopf stoße: ich muss dahingehend einfach meine Linie fahren.

Klar, Networking ist immer wichtig, aber für mich ist in erster Linie wichtig, das Label zu positionieren – die Klamotten müssen gut sein und die Qualität muss stimmen. Ich meine, die Presse ist uns sehr wohlgesonnen aber am Ende des Tages geht es um den wirtschaftlichen Aspekt des Abverkaufens. That’s it!