Kunst für SZ-Redakteure – ist die transmediale Zukunft schon vorbei?

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Ja, was soll ich sagen. Das erste woran ich nach der zweiten Performance der gestrigen Eröffnung des Club Transmediale im HAU2 denken musste ist, dass Mainstream schon was tolles ist. Und zwar deswegen weil alle die es im Mainstream zu etwas bringen schon irgendwie gut sein müssen um sich durchzusetzen. Wenn man sich in einer Nische mit 12 Anderen bewegt, dann kann man höchstens der zwölft-schlechteste, -uninteressanteste, -langweiligste, -nervigste, -älteste, oder wie auch immer sein. Aber fangen wir mal von vorne an.

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Gestern und vorgestern Abend fanden im HAU2 in Berlin die Eröffnungsperformances des Club Transmediale statt. Angekündigt als “.. exceptional performances exploring the possibilities of interplay between sound, light, image and movement…” wurden dem neugierigen Publikum drei Performances und eine kleine Pause kredenzt.

1. Jakob Kirkegaard: Sabulation

30 Minuten schwarz / weisse Bilder von fließendem Sand. Langsam geschnitten und begleitet von den ohrenbetäubend lauten Geräuschen von fließendem Sand. Meditativ. Konsequent. Einlullend, insgesamt schon ok. Aber wirklich toll ist dann doch was anderes. Ich war eigentlich nach 15 der 30 Minuten fertig damit und hab dann über bunte Haare und darüber nachgedacht warum vorgestern das Curry so missglückt ist

2. Transforma: Operators

Programmheft: “Das Berliner Künstlerkollektiv Transforma zeichnet den Prozess der eigenen Bildherstellung im Videostudio auf und integriert ihn als mitlaufendes “Making Of” in die Liveperformance. Tricktische und Bauten werden so zu einem Cluster, in dem sich die Bildhersteller wie Performer, Handwerker und Schauspieler bewegen. Die Grenzen zwischen den in dieser Werkstattsituation entstehenden Bildwelten und den realen Situationen ihrer Herstellung verschwimmen durch die schnellen Schnitte, Überlagerungen und extremen Lichtverhältnisse.”

Wenn ich mich damals immer so hätte rausreden können, dann wäre die Note im Kunstunterricht weit besser gewesen.

Mein Urteil: Krach, komische, unterbelichtete, verwackelte Bilder von irgend einem Müllhaufen in dem ein maskierter Typ sinnlos abwechselnd rumhaut, mit einer Leuchtstoffröhre, mit Erde oder mit Glasscherben spielt. Das Ganze einigermaßen zur “Musik” oder besser Aggro-Krach-Kulisse geschnitten. Das war in den Neunzigern schon langweilig. Danke. Tschüß. Das nervt nur. Und warum sind die eigentlich so wütend?

3. Pause

Schnell raus vor die Tür… Das Urteil in der Raucherecke war Vernichtend. Zitate: ” Das ist echt Kunst für SZ-Redakteure… sowas macht doch keiner mehr. …Leute, die sowas in den Neunzigern gemacht haben machen das schon lange nicht mehr… das ist voll alt…” usw. Geballte Verwunderung und Unverständnis über den bisherigen Content der Veranstaltung.

Klingeling — viele überlegten ob sie wieder rein sollen, oder doch in die nächste Kneipe.. Naja.. mal sehen was noch kommt.

4. Hiroaki Umeda: Adapting For Distortion

Programmheft: “Der japanische Tänzer und Choreograf Hiroaki Umeda präsentiert ein minimalistisches Solo zu einer abstrakten Lichtanimation, in dem er eine extreme Spannung zwischenrealer Körperlichkeit und medialer Entkörperlichung herstellt…” Assoziation: Jackie Chans “Drunken Monkey Style” in einem Holodeck mit Softwarefehler / “Tron” hat sein Motorrad verloren und findet heraus das jemand Windows installiert hat.

Mein Urteil: Visuell spannend setzt Hiroaki Umeda die Räumlichkeit der Bühnensituation ausser Kraft. Die Videoprojektionen täuschen das Auge, man weiss nicht mehr was sich bewegt, er oder es. Gelungen, trippy, spannend. Nur die Geräuschkulisse ist etwas störend. Aurale Aggression ist irgendwie so 1995…

Alles in allem irgendwie unerwartet un-neu. Da stellt sich mir die Frage ob das vielleicht eine Antwort sein soll, auf dieses Motto “Overlap”… Die alte Idee von “Modern” lappt in unsere gegenwärtige Zukunft über… Ich glaube das muss nicht sein, da beschäftigen wir uns lieber mit der Zukunft der Gegenwart, oder?

Text & Fotos: Bedamat

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